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Filmstudio zu Coronazeiten

Auch wenn wir euch aufgrund der Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie in den nächsten Wochen leider keine Filme zeigen können, wir aber aktuell alle mehr oder weniger den ganzen Tag zuhause rumgammeln, fühlen wir uns mehr denn je verpflichtet euch auch zuhause mit gutem, abwechslungsreichem Unterhaltungsprogramm zu versorgen. So können wir zwar nicht die geplanten Filme zeigen, aber ein Alternativprogramm – mal mehr, meist weniger passend - vorschlagen, das ergonomisch im eigenen Sessel, Sitzsack, Springbett und/oder Sofa konsumiert werden kann. Getreu der Empfehlungsalgorithmen im Internet, die die Distanz von Filmtrailern zu Katzenmemes effizient auf drei Klicks zu reduzieren vermögen. Nur eben von Filmstudio kuratiert und hoffentlich etwas abseits besagter Algorithmus-Bubbles. Verdienen tun wir daran zwar nichts, aber vielleicht entdeckt der oder die ein oder andere ja etwas Neues für sich oder überbrückt schon nur besser unterhalten die Zeit, bis der ursprüngliche Film doch wieder bei uns läuft.

Sazvans Lieblingsfilme

Hallo du da draußen an deinem Gerät! Du hast Langweile, möchtest gerne einen Film schauen und brauchst deshalb gute Filmtipps? Dann bist du hier definitiv falsch! Durch meinen miserablen Filmgeschmack kann ich leider nur sehr schlechte Filmtipps bieten. Erwartungen gesenkt? Dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Achja, und ich heiße Sazvan, aber das hast du wahrscheinlich bis zum Ende dieses Satzes schon wieder vergessen. Früher war ich 2. Vorsitzender im Filmstudio, jetzt helfe ich aus, wo ich gebraucht werde (und auch da, wo ich nicht gebraucht werde).

Los geht es mit dem neuesten Film und einem der vielen Science-Fiction-Filme auf dieser Liste, von Denis Villeneuve, einem der vielversprechendsten Regisseure unserer Zeit. Dieser hat mit Incendies (2010), Prisoners (2013), Sicario (2015) und Blade Runner 2049 (2017) für Aufruhr in der Filmwelt gesorgt. Mein Lieblingsfilm von ihm und einer meiner Lieblingsfilme momentan ist aber Arrival (2016). Darin geht es darum, dass Aliens auf der Erde (ja, auf der Erde, und nicht nur in den USA) landen und die bösen humanoiden Aliens nun von den guten Menschen gnadenlos bekämpft und die Welt gerettet wer… Ach ne, das war die Handlung von Independence Day. In Arrival geht es aber auch darum, dass Aliens auf der Erde landen. Aber was macht man eigentlich, wenn so eine Gruppe völlig Fremder einfach unsere heimische Erde betritt? Abknallen? Atombombe? In diesem Film wird erstmals auf die Strategie Kommunikation gesetzt. Aber wie schafft man es überhaupt, mit einer Spezies zu kommunizieren, deren Kommunikationsmethoden keinerlei Gemeinsamkeiten mit denen des Menschen haben? Welchen Einfluss hat Sprache auf unser Denken und Denken auf unsere Sprache? Für Sprachwissenschaftler*innen sicherlich ein Genuss. Aber auch für alle anderen, die einen ruhigen, langsam erzählten Film mit einer originellen Geschichte, wunderschönen Bildern, einem außergewöhnlichen Soundtrack und tollem Schauspiel sehen möchten. Der Film ist aktuell verfügbar im Abo von Amazon Prime.

Mein Lieblingsregisseur ist aktuell Christopher Nolan. Er schafft es meiner Meinung nach immer wieder, Blockbuster zu erschaffen, die sich nicht vollständig nach Recycling anfühlen, sondern bringt originelle Ideen und fesselnde Figuren mit rein: Zwei Eigenschaften, die dem aktuellen Blockbuster-Kino meiner Meinung nach größtenteils leider fehlen. Hierbei war es für mich total schwierig, nur einen Film herauszupicken: Memento (2000), die Dark-Knight-Trilogie (2005-2012) und The Prestige (2006) sind allesamt Filme, die man sich unbedingt mal anschauen sollte. Mit Inception (2010) hat er einen Film erschaffen, der mich jedes einzelne Mal immer wieder vom Hocker haut, wenn ich ihn sehe. In diesem Film bekommt man den optimalen Mix aus brillant inszeniertem Actionfilm, emotionalem Drama, zum Nachdenken anregendem Science-Fiction-Film und spannendem Heist-Film mit einem Hauch von James Bond.

Interstellar (2014) ist aber der Film, der wohl den größten Einfluss auf mich hatte. Er spielt in einer nahen Zukunft, in der die Erde nicht mehr bewohnbar ist, weswegen sich der ehemalige Astronaut Cooper (Matthew McConaughey) noch einmal ins Weltall begibt, um eine neue Heimat für die Menschen zu finden. Interstellar hat damals meinen Horizont erweitert, mir die Augen dahingehend geöffnet, wie gigantomanisch unser Universum eigentlich ist und wie beschränkt wir doch eigentlich denken, wenn wir in Landesgrenzen, verschiedenen Völkern oder Ethnien denken. Dass der Film keine allzu komplexe Handlung und auch nicht die philosophische Tragweite von Filmen wie beispielsweise 2001 – Odyssee im Weltraum (1968) hat (mit dem er leider oft verglichen wird) ist mir egal. Denn ich hatte nie das Gefühl, dass der Film überhaupt versucht, auf diese Schiene zu gehen. Er schafft es meiner Meinung nach, die Dimensionen unseres Universums und die Relativität der Zeit (zwei Dinge, über die die meisten Leute Bescheid wissen, aber über die man sich dennoch nie so wirklich Gedanken macht) in eine gefühlvoll erzählte Handlung einzuflechten. Zudem zeigt Nolan in Interstellar Mut, wenn es darum geht, all die Konzepte, die ihm vom Astrophysiker und Nobelpreisträger Kip Thorne vermittelt wurden, weiterzudenken. Falls ihr also auf einem anderen Planeten lebt (höhö) und diesen Film daher tatsächlich noch nicht gesehen habt, dann solltet ihr das schleunigst nachholen. Den Film, sowie alle anderen aufgezählten Nolan-Filme bis auf Inception, gibt es momentan auf Netflix, Inception wiederum auf Sky.

Leider ist der Maler, Handwerker, Musiker, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur David Lynch nie so richtig im Mainstream angekommen. Am nächsten kam er damit vielleicht mit der Serie Twin Peaks, die das Fernsehen nach ihren ersten beiden Staffeln 1990-1992 stark beeinflusst hat. Wirklich überraschend ist dieser Umstand aber nicht, wenn man bedenkt, was für Filme er so gemacht hat. Die surrealen, kafkaesken Albtraum-Spektakel, die er mit Eraserhead (1977), Blue Velvet (1986), Lost Highway (1997) oder Inland Empire (2006) auf die Leinwand gebracht hat, sind wahrlich außergewöhnliche und teils verstörende Werke. Während die meisten Leute, die Lynch kennen und mögen, Eraserhead oder Blue Velvet als seinen besten Film betiteln, ist das für mich Mulholland Drive (2001). Erzählt wird hierbei die Geschichte einer jungen Schauspielerin, die voller Hoffnungen und Träume nach Hollywood geht und dabei auf eine Frau trifft, die gerade in einen Autounfall verwickelt war und sich an nichts mehr erinnert. Von da an entfaltet sich eine Handlung, die nicht so einfach zu beschreiben ist. Es geht wie so oft bei Lynch um (Alb-)Träume, um die Suche nach der eigenen Identität und um das bunte und ach so schöne Hollywood. Mulholland Drive bietet einen Mix aus spannenden, verwirrenden und absurden Momenten und eine Kumulation vieler Elemente, die Lynch-typisch sind. Wie es der Zufall will, gibt es den Film neuerdings im Abo von Amazon Prime. Wer mehr von David Lynch sehen möchte, dem seien auch seine aktuell täglich auf YouTube erscheinenden Wetterberichte ans Herz gelegt.

Der nächste Film auf meiner Liste ist The Wolf of Wall Street (2013) von Martin Scorsese. Scorsese hat einige Meilensteine der Filmgeschichte geschaffen und verfügt über eine umfangreiche und breite Filmografie voller geschichtsträchtiger Werke (z.B. Taxi Driver (1976), Raging Bull (1980), The King of Comedy (1982) oder Goodfellas (1990)) und dennoch ist The Wolf of Wall Street mein Lieblingsfilm von ihm und einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Warum? Wieso ausgerechnet DIESER Film? So genau kann ich das nicht sagen. Vielleicht ist es die unglaubliche und wahnsinnige Performance von Leonardo DiCaprio. Vielleicht ist es der Humor, der überhaupt nicht erzwungen oder gar beabsichtigt wirkt, sondern sich perfekt in die Szenerie eingliedert. Vielleicht sind es die motivierenden Reden, in denen die Hauptfigur seine Angestellten immer wieder dazu motiviert, noch reicher zu werden. Vielleicht ist es der völlig übertriebene Exzess, der in diesem Film schonungslos gezeigt wird und die Finanzwelt charakterisiert. Vielleicht sind es aber auch einfach nur die 569 Fucks, die in diesem Film in allen Variationen vorkommen und sich gar nicht wie 569 Fucks anfühlen. Auch The Wolf of Wall Street ist momentan auf Amazon Prime zu finden.

Wenn ich mit meinem unoriginellen Filmgeschmack schon dabei bin, einen bekannten Regisseur nach dem anderen abzuarbeiten, dann darf natürlich auch Quentin Tarantino nicht fehlen. All seine Filme sind größtenteils sehr sehenswert, hiervon gehören Inglourious Basterds (2009) und vor allem Pulp Fiction (1994) zu meinen Lieblingsfilmen. So viel Neues lässt sich zu dem Kult-Klassiker wohl nicht erzählen. Also ich könnte stundenlang dabei zusehen wie sich Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) über die Drogenpolitik in den Niederlanden unterhalten, falsche Bibelverse zitieren und über die Signifikanz einer Fuß-Massage philosophieren. Achja, und da sind ja noch Mia Wallace (Uma Thurman) und ihre Pilotfolge zu „Fox Force Five“ und Butch Coolidge (Bruce Willis) und seine goldene Uhr, die jahrelang in den Innereien mehrerer Personen versteckt wurde. Und was ist eigentlich in dem Koffer? Pulp Fiction gibt es momentan nur bei Sky Ticket und Sky Go oder an vielen anderen Orten zum Leihen oder Kaufen.

Das Beste kommt zum Schluss. Der Film, den ich immer nenne, wenn ich nach meinem Lieblingsfilm gefragt werde, ist Zurück in die Zukunft (1985) (bzw. die gesamte Trilogie, wobei der dritte Teil nicht genau so gut ist wie die ersten beiden, aber dennoch sehr sehenswert). Julietta hat die Reihe zu meiner Freude bereits in ihrem Beitrag gewürdigt. Darin geht es um den Teenager Marty McFly (Michael J. Fox) und seinen Kumpel Doc Brown (Christopher Lloyd), einem verrückten Wissenschaftler, der eine Zeitmaschine aus einem DeLorean gemacht hat. Marty reist aus Versehen aus 1985 ins Jahr 1955 und muss irgendwie zusehen, dass er es zurück in die Zukunft schafft, denn so einfach gestaltet sich die Reise zurück nicht. Dieser Film bietet die optimale Mischung aus außergewöhnlicher Handlung, interessanten Figuren und ganz viel Charme. Im ersten Film geht es viel um die Frage, wer eigentlich unsere Eltern sind. Die allermeisten haben zwar das Privileg von ihren Eltern großgezogen zu werden, aber wer sind diese Menschen eigentlich so genau, die mich dazu auffordern mein Zimmer aufzuräumen? Im zweiten Teil wird eine Vorhersage fürs Jahr 2015 getroffen, die zwar nicht ganz so eingetreten ist (das Faxgerät ist mittlerweile tot, die Mode nicht ganz so abgefahren und eine so schnell arbeitende Justiz gibt es auch nicht), aber manche Dinge wie der Videochat und Hoverboards (auch wenn die eigentlich nichts mit den Hoverboards aus Zurück in die Zukunft zu tun haben) haben sich tatsächlich durchgesetzt. Die Filmreihe ist sicherlich nichts für Logik-Puristen, da Zeitreisen nun einmal gewisse Logikfehler mit sich bringen. Gute Zeitreise-Werke zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich selbst Regeln und Grenzen setzen und genau das wird meiner Meinung nach in der Zurück in die Zukunft-Reihe zu Genüge getan. Die komplette Trilogie ist momentan im Abo auf Amazon Prime verfügbar.

Ich bin grundsätzlich auch ein großer Fan von alten Klassikern und da die meisten bisher genannten Filme ziemlich jung und bekannt sind, wollte ich deswegen an dieser Stelle noch kurz einige nennen.

Zum einen wären da der bereits von Lukas erwähnte Das Fenster zum Hof (1954) sowie Bei Anruf Mord (1954), Vertigo (1958) und Psycho (1960) von Alfred Hitchcock. Alle vier Filme sind sehr spannende Thriller, wenn auch vergleichsweise langsam erzählt und mit anderem Schauspiel, als man es heutzutage gewohnt ist. Dennoch hatten alle Filme einen großen Einfluss auf Film und Fernsehen, gerade letzterer, der quasi die Mutter aller Splatter-Filme ist und von dem eine bestimmte Szene und die Musik schon tausendfach in anderen Werken zitiert wurden. Viele kennen die berühmte Szene von Marilyn Monroe, in der ihr Kleid hochgeblasen wird. Doch kaum jemand wird wahrscheinlich sagen können, woher diese Szene eigentlich kommt. Die Antwort: Aus dem Film Das verflixte 7. Jahr (1955) von Billy Wilder. Dieser Billy Wilder hat noch viele andere (deutlich bessere) Filme gemacht, von denen ich die Film-Noir-Thriller Frau ohne Gewissen (1944) und Sunset Boulevard (1950) sehr empfehlen kann.

Wer mal einen schönen Weihnachtsfilm sehen möchte, der nicht jedes Jahr immer und immer wieder im Fernsehen läuft, dem sei Ist das Leben nicht schön? (1946) ans Herz gelegt. Für die Musical-Fans kann ich zu guter Letzt mit Singin‘ in the Rain (1952) eine spaßige Empfehlung aussprechen, in der es um den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm geht.

01.07.2020

Lukas' Lieblingsfilme

Hallo zusammen! Ich bin Lukas und obwohl ich mich letztes Jahr mit einem Master aus den Fängen der RWTH befreit habe, bin ich irgendwie im Filmstudio kleben geblieben. Nach zwei Jahren als zweiter Vorsitzender arbeite ich heute im Verein vor allem als Grafiker. Außerdem bin ich der Hauptschuldige für unser letztes Filmstudio-Filmprojekt: Programmkonferenz. Ansonsten sammle ich leidenschaftlich Filme und darf, dank der über 400 DVDs im Regal, nun auch meine Lieblingsfilme und Filmempfehlungen vorstellen.

The Big Lebowski (1998)
Wer mich kennt, wird es schon erwartet haben: Der Dude ist und bleibt die Nummer eins. Auch ich beginne damit meine Liste mit einem Film der Coen-Brüder, irgendwas machen die Jungs wohl richtig.

Eigentlich will der Alt-Hippie Jeffrey „Dude“ Lebowksi nur sein Leben zwischen Bowling und White Russian genießen, als er mit seinem reichen Namensvetter verwechselt und so in ein Abenteuer voller skurriler Persönlichkeiten und Situationen geworfen wird. Neben einem tollen Cast (John Goodman, Steve Buscemi, Philip Seymour Hoffman, Sam Elliott) glänzt der Film durch seine großartigen Dialoge. So hat auch das ein oder andere Zitat schon Einzug in meine Sprache gefunden.
Leider zurzeit bei keinem der großen Streaming-Dienste vorhanden, aber eigentlich sollte ein guter Haushalt sowieso jederzeit auf diesen Film als DVD oder BluRay zurückgreifen können. Es handelt sich bei dem Film nämlich schon lange um keinen Geheimtipp mehr, sondern um einen Kult-Klassiker mit eigenem Festival und sogar einer eigenen Religion, dem Dudeismus. Die religiöse Verehrung scheint mir dann doch etwas übertrieben, dennoch genieße ich immer wieder gerne dieses filmische Meisterwerk – stilecht natürlich im Morgenmantel und mit einem Glas White Russian (3-4 Einswürfel, Wodka bis zur Eiskante, ein guter Schuss Kahlúa und mit Milch oder Sahne auffüllen).

Kentucky Fried Movie (1977)
Dieser Film steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe Filme, die alle auf einen oder eher drei Namen zurückzuführen sind: ZAZ. ZAZ steht dabei für Jim Abrahams und die Brüder David und Jerry Zucker, drei Filmemacher, die mit ihren Parodien meinen Filmgeschmack geprägt haben, wie kaum andere. Kentucky Fried Movie ist dabei ihr Erstlingswerk, damals mit dem noch unbekannten John Landis (der in den folgenden Jahren Regie bei Animal House (1978) und Blues Brothers (1980) führte) und einem Budget von nur $600.000. Herausgekommen ist eine Sammlung von Sketchen und Parodien auf Filme, Fernsehen und alles dazwischen. Und obwohl der Film über 40 Jahre alt ist, findet man kaum andere Filme, die so durchgeknallt und gleichzeitig so witzig sind, wie dieses Machwerk.

Leider lässt sich auch diese Filmperle nicht auf den gängigen Portalen streamen. Wer sich dennoch einen Eindruck von ZAZ verschaffen will: Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1980) – für einige der beste Parodie-Film aller Zeiten – ist auf Netflix zu finden. Eine Abrechnung mit den Katastrophenfilmen jener Zeit und Karrierestart für Leslie Nielsen, vielen sicher bekannt als Frank Drebin.

Und auch eben Die Nackte Kanone-Trilogie findet ihre Wurzeln bei ZAZ, den ersten Film machten die drei noch zusammen, David Zucker ist für Teil 2 1/2 und 33 1/3 verantwortlich. Und wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auch gleich Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone (1986) ansehen, für mich ein echter Geheimtipp: Sam Stones (Danny DeVito) Frau wird entführt – er wollte sie aber sowieso loswerden. Das wiederum will seine Frau (Bette Midler) dann doch nicht auf sich sitzen lassen.

Top Secret! macht dann die ZAZ-Werke komplett, eine Spionage-Parodie mit Val Kilmer. Mein Highlight in diesem Film: Eine Szene wurde komplett rückwärts gefilmt, vorwärts abgespielt und die somit unverständliche Tonspur wird als schwedisch ausgewiesen und untertitelt.

Und wer jetzt immer noch nicht genug hat - Jim Abrahams ist auch für die beiden Hot Shots!-Filme verantwortlich, in denen Charlie Sheen erst als Kampfflieger à la Top Gun auftritt und sich im zweiten Teil schließlich in Rambo-Manie durch den Dschungel kämpft. Diese beiden sind zum Glück auch wieder bei Netflix zu finden.

Dogma (1999)
Lust auf einen religiösen Film der etwas anderen Art? Dann ist vielleicht Dogma von Kevin Smith genau das Richtige. Die beiden Engel Loki (Matt Damon) und Bartleby (Ben Affleck) sind von Gott aus dem Himmel geworfen worden und suchen nun einen Weg zurück. Ihre Rückkehr würde aber den Ratschluss Gottes widerlegen und alle Existenz auslöschen. Also wird Bethany (Linda Fiorentino) vom Metatron (Alan Rickman) beauftragt die Engel aufzuhalten. Ihr zur Seite stehen der 13. Apostel (Chris Rock), eine Muse (Selma Hayek) und das Kiffer-Duo Jay und Silent Bob (die man vielleicht schon aus anderen Kevin Smith-Filmen wie Clerks (1994) oder Mallrats (1995) kennt).

Der Film ist manchmal vielleicht etwas derb, insgesamt aber sehr unterhaltsam und regt so manche*n vielleicht auch zum Nachdenken über Gott und die Welt an. Leider ist der Film zurzeit nur schlecht zu bekommen, aber wenn ihr die Chance habt, lasst ihn euch nicht entgehen.

Wayne‘s World (1992)
Wayne’s World gehört zu den Filmen, die meine Geschwister und ich mit meinem Vater gucken durften, wenn meine Mutter nicht da war – ihr waren die Filme zu albern. Wir waren damals von den Filmen begeistert und mein Bruder und ich zitierten zu jeder Gelegenheit Filme wie Hot Shots!, Spaceballs oder eben Wayne‘s World. Mike Myers werden viele aus den Austin Powers-Filmen kennen, angefangen hat er aber als Wayne Campbell auf SNL, wo er zusammen mit seinem besten Kumpel Garth Algar (Dana Carvey) eine Fernsehsendung auf dem offenen Kanal aus seinem Kumpel produzierte. Aus dieser Reihe an Sketchen wurde schließlich ein Film, bekannt als Wayne‘s World. Ein schmieriger Produzent (Rob Lowe) entdeckt die beiden Chaoten und will sie groß rausbringen. Doch mit der Professionalisierung geht irgendwie das Herz der Sendung verloren und dann macht sich der Produzent auch noch an Waynes neue Flamme Cassandra (Tia Carrere) ran. Legendär wird für mich immer die Eröffnungssequenz bleiben, in der Wayne und seine Freunde im Auto lautstark Bohemian Rhapsody von Queen mitsingen (Mike Myers spielt übrigens im Film Bohemian Rhapsody den Produzenten, der diesem Song die Erfolgschancen abspricht).

Ein Film voller verrückter Ideen, alberner Gags und einem Gastauftritt von Alice Cooper – was will man mehr. Party On, Wayne!

Die Braut des Prinzen (1987)
Waren die Filme bisher eher durch meinen Vater inspiriert, ist Die Braut des Prinzen von Rob Reiner einer der Lieblingsfilme meiner Mutter und gehört seit Kindertagen auch zu meinen Lieblingsfilmen. Die schöne Buttercup (Robin Wright) soll gegen ihren Willen an den Prinzen Humperdinck (Chris Sarandon) verheiratet werden und wird dann auch noch von Vizzini (Wallace Shawn) und seinen Gefolgsleuten (Mandy Patinkin und André, the Giant) entführt, die mit ihrem Tod einen Krieg anzetteln wollen. Nun muss Buttercups totgeglaubte wahre Liebe Westley (Cary Elwes) alles daran setzen, sie zu retten.

Ein toller Abenteuerfilm, irgendwo zwischen Fantasy und Mantel-und-Degen, romantisch, lustig und an keiner Stelle langweilig. Leider wie schon Wayne’s World bei Amazon nur ausleihbar.

Das Fenster zum Hof (1954)
Für alle, denen meine bisherigen Lieblingsfilme zu albern waren, kommt jetzt endlich mal was Vernünftiges: Alfred HitchcocksDas Fenster zum Hof. Hitchcock gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und die Filme haben bis heute nichts an ihrer unglaublichen Atmosphäre und Spannung verloren. Meiner Meinung nach einer seiner besten Filme ist der Thriller Das Fenster zum Hof. Der Fotograf L.B. Jefferies (James Stewart) ist wegen einer Fußverletzung an den Rollstuhl gefesselt und beginnt, durch das namensgebende Fenster aus seinem Appartement seinen Nachbarn zu beobachten. Nach einiger Zeit ist er davon überzeugt, dass dieser einen Mord begangen hat. Der Film ist zurzeit in Sky Ticket enthalten.

Leider sind viele der Filme, die ich vorgestellt habe, nicht auf den gängigen Streaming-Plattformen zu finden, deshalb hier noch ein paar schnelle Film-Tipps: Natural Born Killers (1994, Amazon Prime), Bang Boom Bang (1999, Netflix), Gefährliche Brandung (1991, Netflix), Schule (2000, Netflix) und OSS 117 - Der Spion, der sich liebte (2006, Amazon Prime).

24.06.2020

Ricas Lieblingsfilme

Grüße gehen an alle, die ihre Snacks so laut essen, dass sie den Film nicht mehr hören können, und die Leute, die einschlafen, bevor der Film vorbei ist. Ich gehöre leider auch dazu…

Noch mehr zu mir: ich bin Rica, weiteres Vorstandsmitglied und gehöre zu den wenigen FHler*innen im Filmstudio. Vielleicht bin ich auch nur Mitglied, da man so schlecht auf den Aulastühlen einschlafen kann und ich Snacks zu vergünstigten Preisen bekomme.

Bei meinen Lieblingsfilmen habe ich doch eher zu denen gegriffen, die mich zum Teil seit meiner Kindheit begleiten oder da auch gut reingepasst hätten. Also entweder sehr bunt und musikalisch oder grau.

Einer meiner Lieblingsfilme ist Die fabelhafte Welt der Amelie. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich ihn das erste Mal gesehen habe, wahrscheinlich nachdem meine große Schwester das Filmplakat in ihrem Zimmer aufgehangen hatte. Ich war auf jeden Fall direkt Fan, da ich an sich schon sehr gerne französische Filme schaue. Was wohl am meisten hängen geblieben ist, ist einfach die Musik von Yann Tiersen. Alles, aber am meisten doch noch „Comptine d’un autre été, l’après-midi“ und „La Valse d’Amelie“, da ich sie bis heute gerne auf dem Klavier spiele. Fun Fact: Vor ein paar Jahren war ich auch mal in dem Café in Paris. Essen war ok, die Toilette leider nicht so. Aber der Fotoautomat in der Nähe vom Gemüseladen ist top und ich besuche ihn immer wieder gerne. Den Film gibt es hin und wieder bei Mubi, falls man Pech hat sonst auch für ‘n Schnapper bei Amazon Prime. Wer sonst ganz nett fragt und Snacks hat, kann sich auch gerne bei mir die DVD ausleihen.

Ich weiß nicht, wie oft ich den folgenden Film schon gesehen habe, aber ich werde mich wohl nie daran satt sehen, da es immer irgendwelche neuen Details gibt, die man beim letzten Mal nicht entdeckt hatte. Es geht um A Series of Unfortunate Events. Aber nicht die Netflixserie, sondern den Film von 2004 mit Jim Carrey. Basierend auf einer Buchreihe wurden dazu ein paar Ereignisse (Events, höhö) der Bücher rausgepickt und in einen Film verwandelt, mit Jude Law als Erzähler. Da ist die Netflixserie zwar um einiges umfangreicher – kann ich auch empfehlen – aber für mich ist die wiederum doch etwas zu bunt. Macht euch am besten euer eigenes Bild dazu, da sogar beide aktuell bei Netflix verfügbar sind.

Ein Film, der in meiner Kindheit schon sehr präsent war, war Der Zauberer von Oz. Ich fand den Film so toll, dass ich mich irgendwann an Karneval als Dorothy verkleidet hab‘. Kannte nur leider keiner. Zudem sind meine selbst aufgeklebten roten Steinchen auf meinen Schuhen immer abgefallen. Film gibt’s zum Ausleihen bei Amazon Prime oder bei mir. Einfach nur die Yellow Brick Road bis zum Ende entlanglaufen.

Wie Emily bin ich großer Tim Burton-Fan, darf dementsprechend hier auch nicht fehlen. Ich habe mich für Frankenweenie entschieden, ein weiterer Stop-Motion-Film, der zudem noch schwarzweiß ist. Im Film geht es darum, dass Victors Hund stirbt und den Rest kann man sich vielleicht schon vom Titel zusammenreimen. Der Film bringt mich jedes Mal zum Weinen, ob damals mit 13 oder heute mit 21. Gleiches Prinzip wie oben, leider aktuell nur ausleihbar.

Bunt und musikalisch passt wohl auch sehr gut zu La La Land. Ich mag einfach irgendwie alles an ihm. Emma Stone, Ryan Gosling, die Farben, die Cinematographie (analog gedreht), aber vor allem das dynamische Duo Damien Chazelle & Justin Hurwitz. Gemeinsam haben sie auch zusammen an Filmen wie Whiplash oder Guy and Madeline on a Park Bench zusammengearbeitet. Richtig, richtig gute Soundtracks. Richtig gut.

Ein Film, den es an sich schon ein paar Jahre gibt, aber erst im letzten Jahr zu einem meiner Lieblingsfilmen geworden ist, ist Her. Mal wieder wegen der Farben und des Soundtracks. Wer Joaquin Phoenix nur aus Joker kennt, sollte sich diesen Film auch anschauen, selbst wenn es vielleicht nicht direkt ins gleiche Genre passt. Ich finde es immer spannend, wie Schauspieler es hinbekommen, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Zudem ist die Handlung meiner Meinung nach in gewisser Weise auch ein aktuelles Thema, aber nicht so präsent…

Wer schon fast beim Lesen eingeschlafen ist, dem oder der kann ich nur Welt am Draht empfehlen. An sich geht der Zweiteiler 3 ½ Stunden, aber alle paar Minuten kommen abgespacete Geräusche, wodurch das Einschlafen sehr erschwert wird. Diese 70er-Jahre-WDR-Produktion von Rainer Werner Fassbinder sollte man sich so oder so mal anschauen, da Michael Ballhaus’ Kameraführung einfach toll ist. Der Einsatz von Farben – in diesem Fall sehr stark orange und blau – ist einfach schmackhaft für‘s Auge und die ganzen Spiegelungen lassen einen selbst in eine andere Welt tauchen. Ich möchte nicht so viel über den Inhalt erzählen, aber wer gerne Dystopien schaut, ist hier gut aufgehoben.

Ein Genre, welches ich sehr, sehr gerne schaue, sind Dokumentationen. Da muss ich aber leider zugeben, dass ich explizit keine Lieblingsdoku habe, meistens sind es aber Kunstdokus. Meistens auch auf ARTE. Aktuell versuche ich auch alle ARTE-YouTube-Kanäle durchzuschauen, was gar nicht so einfach ist, da es zu viele gibt und die ständig neue Dokus und Reportagen hochladen. Passend dazu kann ich euch auch die unterschiedlichen funk-Formate (z.B. Y-Kollektiv, STRG_F usw.) nur ans Herz legen, welche auch spannende Reportagen zu aktuellen Themen hochladen. Aber es ist ziemlich cool, zwischen Kunst, Kultur und Corona auch mal eine Doku über Pilze zu schauen.

Zum Abschluss gibt es keine weitere Filmempfehlung, die alle anderen in den Schatten stellt, sondern eine Snackempfehlung. Gesalzene Chips gehen immer, aber was noch viel besser ist, ist gesalzenes Popcorn mit Käsesoße.


17.06.2020

Juliettas Lieblingsfilme

Willkommen zu dieser Ausgabe von „Filmstudio Lieblingsfilme“ und meinem Blogeintrag. Mein Name ist Julietta und bin heute euer Filmstudio-Blog-Guide.

Wer ich im Filmstudio bin? Falls ihr bei High School Musical diejenige gesehen habt, die im HSM-Bademantel vorne die Ansage gemacht hat oder bei Frozen 2 hinten lautstark mitgesungen/gegrölt hat – das war ich. Wenn nicht, habt ihr auch nichts verpasst. Immerhin habt ihr jetzt einen ganzen Text, um mich filmisch etwas kennen zu lernen.

Ich finde „Lieblingsfilme“ immer etwas schwer, da sich das andauernd ändert oder ich welche vergesse. Deshalb sind hier hauptsächlich Filme, die im letzten Jahr meine Lieblinge waren.

Da ich Frozen 2 bereits erwähnt habe, fange ich einfach damit an. Dieser Film gehört allein schon auf die Liste, da ich ihn Anfang des Jahres so oft gesehen habe. Ja, die Storyline ist ein bisschen seltsam und die Songs sind beim ersten Mal keine „Let it Go“-Ohrwürmer (wofür manch eine*r vielleicht auch dankbar ist), dennoch gefällt mir der Zweite besser als der Erste. Die detailreiche Animation erschafft einige sehr schöne Bilder und Motive. Wenn wir uns weniger auf Elsa konzentrieren und stattdessen auf Olafs Probleme, sich zunehmend seiner Umgebung bewusst zu werden, und der Illusion, dass Erwachsene doch die Antwort auf alles haben und später alles einen Sinn ergibt, ist das Ganze schon viel sehenswerter. Einen größeren Fokus verdient auch die Charakterentwicklung von Anna: Wie sie zeitweise mit dem Tod geliebter… (no spoilers) umgeht, ist ein ungewöhnlich dunkler Moment für Disney. Letztendlich bleibt es aber ein Disney-Film, samt Happy End und guter Laune. Aber das kann man zurzeit ja auch mal gebrauchen. Mein Lieblingssong: Lost in the Woods.

Wo wir schon bei Stimmungsmachern sind: Wenn ihr mich genau jetzt fragen würdet, „Was ist dein Lieblingsfilm?“, würde ich definitiv sagen A Million Ways to Die in the West, auch wenn ich nicht weiß, wann sich das wieder ändert. Diese Komödie von und mit Seth MacFarlane zeigt auf sehr witzige Weise, dass diese oft romantisierte Zeit der Cowboys und des Abenteuers eigentlich ziemlich zu beschissen war, um wirklich dort zu leben zu wollen.

Ein überraschend prominenter Cast, unter anderen Charlize Theron, Liam Neeson und Neil Patrick Harris, die eine herrliche amüsante Performance abgeben. Scheinbar haben die damals all ihren anderen prominenten Freunden von dem Projekt vorgeschwärmt, denn es gibt mehrere kurze Cameo-Auftritte, mit denen die Filmemacher*innen ursprünglich selbst nicht geplant hatten. Ewan McGregor beispielsweise habe ich beim ersten Mal gar nicht erkannt. Nicht zu übersehen und verkennen ist jedoch Christopher Lloyd, welcher sich als Doc Brown mit dem Original-DeLorean aus Zurück in die Zukunft die Ehre gibt.

Wem dieser Humor gefällt, kann ich auch nur Seth MacFarlanes Sci-Fi-Serie The Orville empfehlen, definitiv ein großer Favorit meinerseits. Beschreiben würde ich sie mit: Star Trek als Sitcom. Neben Kauf- und Leihmöglichkeiten ist neuerdings sowohl Film als auch Serie in Amazon Prime mitinbegriffen.

Der nächste Film auf dieser Liste ist Once Upon a Time in Hollywood. Der neuste Film von Quentin Tarantino wurde von vielen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Film sei so lang, zu viele Szenen trügen gar nicht zum Plot bei, doch genau das ist es, was mir so gefallen hat. Für mich ging es nicht darum, möglichst schnell zu den Manson-Morden zu kommen, sondern die Geschichte dieser beiden Männer und ihrer Zeit – dem „Golden Age of Hollywood“ – zu erzählen sowie dessen Ende. Der Film transportiert ein unglaubliches Gefühl für diese Zeit und, vor dem Hintergrund, dass all dem eine wahre Geschichte zugrunde liegt, auch eine große Schwere. Umstritten aber spannend hat Tarantino die Geschichte abgeändert und fiktionale Charaktere eingebracht. Als letztendlich das große Finale kam mit den gewohnt brutalen Einstellungen, konnte ich in meinem Kinosessel nur daran denken, dass die realen Morde nochmal ein ganz anderes Level an Verstörung und sinnloser Gewalt erreicht haben müssen. Den Film kann man aktuell nur bei Amazon, iTunes, etc. kaufen oder auf SkyTicket sehen.

Ohne zu lange auszuschweifen, möchte ich euch jetzt noch ein paar Highlights empfehlen, die ihr vermutlich schon kennt, aber man immer wieder sehen kann, wie The Truman Show (in Amazon Prime enthalten) oder Catch me if you can (Netflix).

Back to the Future (Amazon Prime, Joyn+) habe ich vorhin schon Mal im Zusammenhang mit A Million Ways to Die in the West erwähnt. Die Filmreihe verdient allerdings auch noch ihre ganz eigene Erwähnung und wärmste Empfehlung. Genauso warm empfehle ich The Grand Budapest Hotel (Joyn+, SkyTicket, Maxdome). Ein Film voller schöner Bilder, der als Hotelkulisse das imposante, zurzeit leerstehende Kaufhaus in Görlitz nutzt. Görlitz, auch „Görliwood“ genannt, ist ein nettes kleines Städtchen in Ostdeutschland, welches oft als Vorkriegskulisse dient. So wurden dort beispielsweise Szenen aus Inglourious Basterds oder Werk ohne Autor gedreht. Falls ihr also noch Film-Fun-Facts gebraucht habt oder Ideen für einen Deutschlandstädtetrip, seid ihr jetzt auch bedient.

Viel Spaß beim Schauen.

10.06.2020

Michis Lieblingsfilme

Hallo liebe Surfer*innen des weltweiten Webs! Mein Name ist Michi, ich studiere seit ich denken kann Informatik an der RWTH und bin momentan 1. Geschäftsführer vom Filmstudio an der RWTH e.V.
Meine Hobbys sind Schwimmen, Reiten, Fahrrad Fahren. Achso, und ich gucke gerne Filme zu studierendenfreundlichen Preisen, also drei Euro pro Film, wobei ich als Mitglied natürlich den Familien- und Freunderabatt von drei Euro Ermäßigung erhalte (*hust* kommt ins Filmstudio). Als Geschäftsführer kommen Leute normalerweise nur zu mir, wenn sie Geld haben wollen, aber ich wurde gebeten, meine Lieblingsfilme in einem Blogpost zu verschriftlichen, und da Meinungsäußerungen immer am meisten Spaß machen, wenn keiner drauf antworten kann, hier also eine Liste mit sechs sehr guten Filmen, die ich euch mal ein bisschen näherbringen wollte.

Dr. Strangelove (1964)
Fangen wir an mit dem obligatorischen Kubrick-Film, der auf einer Best-Of-Filmeliste von Pseudo-Filmsnobs wie mir nicht fehlen darf. Ich hab‘ mich nach etwas Hin und Her zwischen Full Metal Jacket und Dr. Strangelove für Dr. Strangelove entschieden, weil der Film meiner Meinung nach von allen Kubrick-Filmen den Nagel thematisch am besten auf den Kopf trifft. Außerdem schaue ich gerne Komödien, was sonst aus meiner Liste vielleicht nicht so ersichtlich wäre, und was wäre eine Best-Of-Liste ohne George C. Scott?

In diesem Film aus dem Jahr, in welchem meine Mutter geboren wurde, gibt ein einzelner US-Armee-General und enthusiastischer Verschwörungstheoretiker den Befehl, eine Atombombe über der Sowjetunion abzuwerfen. Von da an liegt es an dem britischen Offizier Mandrake (Peter Sellers), den General zu überreden, den Befehl zum Angriff zurückzunehmen, und an President Muffley (ebenfalls Peter Sellers) und General Turgidson (George C. Scott), den politischen Status Quo mit Moskau zu wahren.

Während nachfolgende Kubrick-Werke sich einem Thema immer eher explorativ annehmen und sich dabei für meinen Geschmack vielleicht ein klein wenig zu sehr in visuellem Perfektionismus verlieren, ist Dr. Strangelove prägnant und konsistent in Aussage und Darstellung und dabei noch außerordentlich unterhaltsam. Das Zitat ‚Gentlemen, you can‘t fight in here. This is the War Room!‘ und die Szene, in der Peter Sellers einen US-Marine wegen Kleingeld anpumpen muss, um über ein Münztelefon die thermonukleare Apokalypse zu verhindern, sind wohl die besten Sinnbilder für Außenpolitik aller Zeiten. In einer Zeit, in der die allgegenwärtige Angst vor nuklearer Vernichtung die Realität bestimmt, legt Regisseur Stanley Kubrick humorvoll dar, warum der Mensch vielleicht nicht die Spezies sein sollte, welche die Zerstörungscodes für alles Leben auf der Erde haben sollte.

Robocop (1987)
Von Peter Sellers zu Peter Weller. Gründe, Paul Verhoevens Robocop in seine Best-Of-Liste aufzunehmen, gibt es zuhauf. Sei es die unterhaltsame und überzogene Action des späten 80er-Jahre US-Films (welche mittels vieler cleveren praktischen Spezialeffekte umgesetzt wurde), der sarkastische Humor (welch kaum ein Regisseur meiner Meinung nach beherrscht wie Verhoeven) oder die Zitierbarkeit praktisch jeder einzelnen Dialogzeile. Für mich persönlich ist es die Tatsache, dass Robocop ein perfekter Film ist, da er genau das erreicht, was er zu erreichen versucht.

Die Handlung passt dabei auf einen Bierdeckel. In einem von Verbrechen überquillenden Detroit irgendwann in der Zukunft macht ein privates Unternehmen aus dem in Teile geschossenen Officer Murphy einen kybernetischen Super-Polizisten. Das war‘s eigentlich.

Viel wichtiger als der Handlungsrahmen sind dabei aber die Details in der Umsetzung. Jeder Charakter ist zwar hoffnungslos überspitzt – vom irrsinnig rücksichtslosen Gangsterboss Clarence Boddicker (Kurtwood Smith) bis zur gnadenlos robotischen Darstellung von Peter Weller als Robocop – funktioniert aber perfekt in Verhoevens Action-Sci-Fi-Klassiker/Kapitalismus-Kritik/existenziellem Drama darüber, was es bedeutet, menschlich zu sein. I‘d buy that for a dollar!

Chihiros Reise ins Zauberland (2001)
Von einem perfekten Film zum nächsten. Wie bei den meisten der Studio-Ghibli-Filme konnte ich mitChihiros Reise ins Zauberland als Kind nie viel anfangen. Da waren mir Pixar-Filme irgendwie immer lieber und, obwohl die meisten Pixar-Werke meiner Meinung nach durchaus vielschichtig und außerordentlich gut gemacht sind, kann ich heute den mit Metaphern gespickten, liebevoll 2D-animierten Produktionen aus dem Hause Ghibli weit mehr abgewinnen.

Ich hab‘ tatsächlich keine gute Vorstellung darüber, wie bekannt Chihiros Reise ins Zauberland ist, aber ausgehend von meinem Freundeskreis haben die Meisten den Film wohl irgendwann mal zumindest teilweise gesehen. Außerdem möchte ich auch gar nicht viel von der Handlung verraten, wobei die auch nicht so ausschlaggebend ist, da das Hauptthema des Films eigentlich das Erwachsenwerden an sich ist. Dabei vermittelt der deutsche Titel – im Vergleich zum englischen Spirited Away – einen ganz guten Eindruck, was in dem Film so passieren könnte.

Chihiros Reise ins Zauberland kommt im Vergleich zu anderen Ghibli-Filmen wie Prinzessin Mononoke oder Howl‘s Moving Castle ein bisschen wenig dramatisiert und stattdessen ein bisschen reflektierter daher. Mir gefällt der kreative Rahmen, den das Badehaus für Geister und Götter bietet, sehr gut und jeder Charakter funktioniert ausgezeichnet als Sinnbild für jeweils andere Aspekte bezogen auf das Arbeiten in einer Firmenumgebung. Ich hab‘ dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, einfach ein Meisterwerk.

Drive (2011)
Für die letzten fünf Jahre, wenn ich nach meinem Lieblingsfilm gefragt wurde, habe ich standardmäßig geantwortet: „Momentan würde ich sagen Drive“. Sicherlich gibt es „bessere“ Filme, wahrscheinlich sogar auf der Liste, aber Drive fühlt sich an, wie für mich gemacht.

Ein schweigsamer Stunt- und Fluchtwagenfahrer (Ryan Gosling) freundet sich mit seiner Nachbarin, einer jungen Mutter (Carey Mulligan), an. Als ihr Ehemann (Oscar Isaac) aus dem Gefängnis nach Hause kommt, hilft der Fahrer ihm, eine offene Rechnung zu begleichen.

Neben den bereits genannten Schauspielern sind außerdem noch Bryan Cranston, Albert Brooks und Ron Perlman vertreten, und alle liefern eine super Performance ab. Alle Actionszenen sind genau nach meinem Geschmack: Intensiv, mit klarer Motivation und interessant in Szene gesetzt. Drive beschäftigt sich mit einer Person, die, auf der Suche nach Bedeutung, moralisch zweifelhafte bis verwerfliche Dinge tut, und der Dekonstruktion klassischer Heldenvorstellungen. Auch durch den extrem guten Soundtrack ist Drive für mich immer wieder ein stylisches und unterhaltsames, aber auch emotionales und nachdenklich machendes Erlebnis. Für mich passt einfach alles sehr gut zusammen und ich kann den Film immer wieder gucken.

Starlet (2012)
Obwohl ich Starlet in Gänze erst einmal gesehen habe, war ich so angetan, dass ich den Film in meine Top-6 aufnehmen wollte. Und das nicht nur, um einen Hipster-Indie-Titel drin zu haben, den wahrscheinlich niemand kennt oder mag, sondern auch um mindestens einen Film dabei zu haben, dessen IMDb-Keywords „unsimulated sex“ enthalten.

Die betagte Witwe Sadie (Besedka Johnson) verkauft einige ihrer alten Gegenstände, darunter auch eine Thermoskanne, ohne zu wissen, dass darin eine große Summe Bargeld versteckt ist. Als die junge Pornodarstellerin Jane (Dree Hemingway) die Thermoskanne mit dem Geld entdeckt, kauft sie diese der nichts ahnenden Sadie ab. Da sich Jane jedoch schuldig fühlt, versucht sie der einsamen Dame im Gegenzug Gesellschaft zu leisten.

Wer mit Regisseur Sean Baker vertraut ist, kann sich vielleicht vorstellen, dass ich bisher kaum einen Film gesehen hab‘, der so unterhaltsam ist, ohne dass wirklich irgendwas darin passiert. Wir folgen einer jungen, naiven und einer alten, verbitterten Frau beim Bingo spielen und Einkaufen, gelegentlich sehen wir Jane und ihrer Mitbewohnerin beim Kiffen und philosophieren zu oder Mikey (James Ransone), Janes Vermieter, erzählt über seine großen Pläne in der Welt der erwachsenen Unterhaltungsbranche. Ich glaube, die Charaktere und was sie beschäftigt werden einfach authentisch und nachvollziehbar genug dargestellt, dass man für alle ein bisschen Verständnis aufbringen kann und ihnen das Beste wünscht. Für jeden, der sich gerne viel zu viele Gedanken über die Beziehungen und Probleme anderer Menschen Gedanken macht, ein Geheimtipp.

The VVitch (2015)
Und zum Abschluss noch ein Horrorfilm. Na ja, nicht wirklich so Horror, aber trotzdem. The VVitch ist eigentlich mehr ein Familiendrama, aber so trostlos, düster und unkonventionell, dass es für die meisten wahrscheinlich am ehesten in diese Sparte passt. Bei The VVitch kann ich wirklich nicht gut sagen, was mir soooo gut daran gefällt, aber ich kann den Film einfach immer so weggucken und bin jedes Mal gefesselt.

In den 1600er Jahren macht sich eine Familie bestehend aus Vater (Ralph Inseon), Mutter (Kate Dickie), ältester Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy), Sohn (Harvey Scrimshaw) und den jüngeren Zwillingen und einem Neugeborenen auf, ein verlassenes Stück Land in Neu-England zu ihrem Heim zu machen. Vom Pech verfolgt und in misslicher Lage, wächst das Misstrauen innerhalb der Familie.

The VVitch lebt von seinem außerordentlich effektiven Spannungsbogen. Zuschauer*innen nehmen dabei die Position allwissender Beobachter*innen ein, während die Charaktere immer nur ein Stück der Wahrheit kennen und – durch Vorurteile und Aberglaube angetrieben – zunehmend feindseliger gegenüber einander werden. Obwohl es sich um Robert Eggers ersten Feature-Film handelt, ist dieser so unfassbar kompetent und präzise konstruiert, dass er für mich mit Kubricks Shining in Sachen Filmgestaltung gleichzieht. Dabei ist es faszinierend, jedem der tadellos dargestellten Charaktere zu folgen und wie diese mit der zunehmend prekären Lage umgehen. Ganz ohne Jumpscares oder CGI-Hexe schafft es eine gründlich unangenehme Atmosphäre zu erzeugen, in der sich wie so oft zeigt: Das schlimmste Monster ist... der Mensch (dam, dam, daaaa)!

03.06.2020

Emilys Lieblingsfilme

Hallo, ihr fleißigen Heimkinobetreiber da draußen! Ich heiße Emily und bin aktuell die 1. Vorsitzende dieses bunten, zurzeit Film-deprivierten Haufens an Kino-Liebhabern. Hier habe ich euch mal eine Handvoll meiner Lieblingsfilme aufgeführt – vielleicht ist ja was Neues für euch dabei oder ihr bekommt einfach spontan Lust, einen eurer Lieblingsfilme wieder hervorzukramen!

O Brother, Where Art Thou? (2000)
Diese schräge Komödie der Coen Brothers (ok… soweit nichts Neues für dieses Regisseur-Duo) spielt im tiefen Süden US-Amerikas um 1930 und begleitet drei flüchtige Sträflinge auf ihrer Suche nach dem kleinen, vergessenen Vermögen, von dem sie sich die Möglichkeit auf ein neues Leben erhoffen. Locker an Homers Odyssee angelehnt treffen sie auf kuriose Gestalten aller Art – vom Zyklopen über Sirenen bis hin zur düsteren Begegnung mit dem KKK – dabei unerbittlich vom Teufel in Person verfolgt! Den vollen Südstaatencharme der sympathisch-dümmlichen Charaktere bekommt man allerdings nur in der englischen Originalfassung. Und wer besonders aufmerksam ist und sich historisch etwas auskennt kann ja mal versuchen, all die – meist absichtlich – eingebauten zeitlichen Ungereimtheiten zu entdecken.

Fiddler on the Roof (1971)
Die Lieder dieser einprägsamen Musical-Adaption von Norman Jewison haben mich schon durch meine Kindheit begleitet, darunter natürlich To Life! und If I Were A Rich Man. Besonders sticht die sympathisch-witzig-charmante Darstellung des Hauptcharakters Tevye durch Topol hervor, aus dessen Sicht die Konflikte um Liebe, Tradition und Glaube im polnisch-jüdischen Schtetl Anatevka zur Zeit der Vertreibung und des Pogroms im russischen Kaiserreich durchlebt werden. Für mich endet dieser Film eigentlich immer mit einer guten Ladung ambivalenter Tränen…

The Lord of the Rings (Trilogy 2001-2003)
Joah… eigentlich selbsterklärend, oder? Tut mir leid, dass ich euch mit diesen Filmen keinen Filmkenner-Geheimtipp gebe, aber es ist ja schließlich die Liste meiner Lieblingsfilme. Und als alter LotR fan (ja, Bücher gelesen und ja, Extended Editions und Behind the Scenes Footage geschaut…) bleibt mir nichts anderes übrig, als euch Filmliebhabern diese fantastische Verfilmung J. R. R. Tolkiens Bücher von Peter Jackson ans Herz zu legen. Für eine*n oder andere*n von euch ist es ja vielleicht auch mal wieder Zeit für ‘nen LotR-Marathon...?

Corpse Bride (2005)
Wer Lust hat, einen bunten und lebhaften Abend mit den Toten zu verbringen, ist bei diesem düsteren Musical von Tim Burton und Mike Johnson bestens aufgehoben. Für mich zeichnet sich der Film vor allem durch künstlerische, visuelle und technische Meisterleistungen aus – und wer sich danach fragt, wie sich diese für Burton typischen Charaktere mit ihren spindeligen Körpern und riesigen Köpfen aufrecht durch die Stop-Motion-Animation getragen haben, empfehle ich, sich danach auch das Making-of reinzuziehen.

In Order of Disappearance (2014)
Mit diesem Titel von Hans Petter Moland hat es also auch ein Action-Thriller mit ‘ner typischen Rachefeldzug-Storyline in meine Liste geschafft. Da überrascht hier die Auseinandersetzung mit Drogengeschäften und mannigfaltigen blutigen Morden genauso wenig wie die Konflikte zweier rivalisierender Mafia-Gangs. Aber neben Stellan Skarsgårds überzeugender Darstellung des rachewütigen Vaters überzeugt der Film mit erfrischend originellen Charakteren – so zum Beispiel der ewig geplagte, alleinerziehende, vegane Mafiaboss. Und dass der norwegische Originaltitel Kraftidioten heißt, ist für mich einfach ein weiterer guter Grund, diesen Film zu sehen.

27.05.2020

Yussefs Lieblingsfilme

Ich bin es, Yussef, musikalischer Master-Maschbau-Mensch. Minimale Maße, maximale Minderwertigkeitskomplexe, das halbvolle Paket. Außerdem Filmstudio-Vorstandsmensch. Da schreibe ich Bloggedöns für Filmempfehlungen, schmeiße das Programm zusammen – wenn es denn welches gäbe – kümmere mich um Kooperationen – wenn es denn welche gäbe – und wähle die ganzen Kack-Arthausfilme ins Programm, die mir ein Lächeln ins Gesicht und uns ein Loch ins Budget zaubern :)

Nun also Lieblingsfilme zusammenfassen oder auch: Wie man bei mir obsessiven Wahnsinn über den Zeitraum einer Woche induziert. Zumindest anstatt auf Lieblingsfilme konnte ich es immerhin bei den meisten schweren Entscheidungen auf Lieblings-kreative-Filmmenschen herunterbrechen. Deshalb jetzt schnell ein Überblick, bevor ich es mir wieder anders überlege.

Größte Fanboy-Konstante über die Jahre sind die Regie-&-Drehbuch-Brüder Joel und Ethan Coen, die mittlerweile ein solides Sortiment an allerhand Genres abgedeckt haben. Trotzdem gerade durch ihre oft quirligen Charaktere und den trockenen, schwarzen Humor erlangen Coen-Filme einen genretranszendenten Wiedererkennungswert. Der Einfluss der Brüder ist am Beispiel Fargo direkt zu erkennen:1998 noch als deren Film über einen Mord in einem verschneiten Ort hinter Wäldern North Dakotas, mittlerweile auch als von beiden koproduzierte Netflixserie mit bald vier Staffeln, die den Namen übernimmt und die generelle Stimmung famos aufsaugt. Inklusive dem schlicht gelogenen “This is a true story.”-Opener zu jeder Folge. Dazu kommen Kult-Comedy-Klassiker The Big Lebowski (1998), Fingernagelvernichter No country for old men (2007), Folkmusik-Hommage Inside Llewyn Davis (2013), Odysseus-in-Amerika-Simulator O Brother, where art thou? (2000) und Nihilismus-Konverter A serious man (2009) um das Unterhaltungsbreitband zu sprengen.

Aber gerade Barton Fink (1991) ist ein Mikrokosmos all der sympathischen Schrulligkeiten, die für mich die Coen-Experience ausmachen. John Turturro spielt einen erfolgreichen Broadway-Autor, der bei dem Angebot für Hollywood zu schreiben mit sich ringt, seinen künstlerischen Anspruch nicht zu verlieren, und in der daraus folgenden Schreibblockade mehr und mehr den Bezug zur Realität verliert. Selbstinduziert isoliert in einem Hotelzimmer ist sein einziger Zuredepartner Zimmernachbar John Goodman, der womöglich der Teufel, ein Serienkiller und ein Nazi ist, und Moment, da brennt auch schon das Hotel und die Frau auf der Krawatte existiert oder vielleicht auch nicht, wer weiß das schon genau bei diesem Film.

Die nächste chaotische Kreativperson auch eher unbekannt aus Film und Fernsehen ist Drehbuchautor und Manchmalregisseur Charlie Kaufman, der in seiner ganzen Karriere womöglich nicht ein einziges konventionelles Drehbuch erzeugt hat. Eternal sunshine of the spotless mind (2004) ist nicht nur als Phrase eines Gedichts von Alexander Pope,  sondern auch als Film von Kaufman ein Plädoyer für die Beständigkeit romantischer Liebe, die – wie der Film argumentiert – so wenig sinnvoll und so sehr zum Scheitern verurteilt sein kann, wie sie mag, dennoch wert, zu erleben ist – wobei das ultimative „Scheitern“ der Liebe das „Erleben“ derer nicht delegitimiert. So sagt es zumindest meine Drei Minus einer Deutschhausaufgabe. Verpackt ist das Ganze in einem Gewand aus depressivem Jim Carrey, einem Zeitstrahl, der sich anhand von Kate Winslets Haarfarbe rekonstruieren lässt, und Maschinen, die Erinnerungen vergessen lassen, aber von Frodo (Elijah Wood) und Hulk (Mark Ruffalo) bedient werden. Wem das noch zu konventionelle Rollenbesetzungen sind, der findet unter Charlie Kaufmans Filmen auch Being John Malkovich (1999), bei dem ein Großteil der Rollen von John Malkovich als John Malkovich gespielt werden. Oder der Stop-Motion-Puppen-Animationsfilm Anomalisa (2015), bei dem ein Mann die immergleichen Gesichter in anderen Leuten sieht und verzweifelt versucht, seinem Leben irgendeine Form von Euphorie zurückzugeben. Dementsprechend sind alle anderen Rollen/Puppen des Filmes tatsächlich mit den gleichen Gesichtern versehen und allesamt von einer Person gesprochen – Männer, Frauen, Kinder. Der Film wurde übrigens ausgezeichnet für seine authentische und glaubwürde Darstellung von Nacktheit und Sexualität. Es ist ein Puppenfilm. Mit Puppen, die mehr Menschlichkeit und Fragilität als die meisten Live-Action-Dramen auf die Leinwand bringen.

Und dann ist da noch Adaptation (2012). Ein Film so meta, dass er davon handelt, wie die Handlung des Films erzeugt wird. Das Xzibit-Meme der Metanarrative sozusagen. Im Semi-Klartext bedeutet das, dass Charlie Kaufman (die reale Person) gefragt wird, ein Buch zu adaptieren, nicht weiß, wie er das Buch angehen soll und unter dem Frust der Schreibblockade anfängt, über diesen Prozess zu schreiben. Der Entstehungsprozess der Filmadaption ist also die Handlung der Filmadaption. Das bedeutet wiederum, dass die Handlung des Films sich massiv verändert, sobald Charlie Kaufman (jetzt die fiktive aber eigentlich immer noch reale Person) sich entscheidet, diese abzuändern, weil sie ihm zum Beispiel zu langweilig vorkommt. Es ist ein Abenteuer. Hab‘ ich erwähnt, dass Nicolas Cage Charlie Kaufman spielt? Oder dass Nicolas Cage Donald Kaufman, den imaginären Bruder von Charlie Kaufman, spielt? Der Wahnsinn des Schreibprozesses nah und ulkig und unvergleichlich.

Ganz anders dann wiederum Andrei Tarkovsky, der sogenannte Philosoph des Films. Dieser früh verstorbene, russische Regisseur hat zur Zeit der Sowjetunion im künstlerischen Kreis der Filmgesellschaft mit seinen nur sieben Filmen den Status als einen der großen Filmschaffenden erlangt, jedoch nie große Bekanntheit in der westlichen Welt und schon gar nicht kommerziellen Erfolg verzeichnen können. Mit Bildern, die regelmäßig Wirklichkeit und Imagination verwischen, Momente in meditativer Deliberation erforschen und wirken lassen und sich regelmäßig der Natur als schönen und eigenständigen Charakter hingeben, erzeugte Tarkovsky vor allem Filme, die weniger Antworten geben und vielmehr Stimmungen erzeugen und miterleben lassen. Das wie anstatt dem wieso. Dabei schwingt immer auch ein autobiographischer Aspekt mit, vor allem in seinem vorletzten Film Nostalghia (1983). Tarkovsky, der selbst in Italien gelebt hat, zeigt einen russischen Autor, der in Italien auf den Spuren eines Komponisten in schwere Nostalgie und Heimatssehnsucht verfällt. Die tatsächliche Handlung ist dabei wenig tiefergehend als das. Die Emotionen des Protagonisten und dessen Wahrnehmung der Welt um ihn herum sind die Treiber der Bewegtbilder des Films.

Puh jetzt langsam zum Ende kommen. Aber ach mist, dann ist da ja noch Road to Perdition (2002) von Sam Mendes. Mendes, der auch American Beauty, Jarhead, die frischeren Bonds Skyfall und Spectre sowie den Optik-Bombast und Onetake-Oscarabräumer jüngsten Jahres 1917 dirigiert hat. Dieser erforscht mit Road to Perdition drei Vater-Sohn-Dynamiken im Gewand eines Mafiafilms, der dafür eigentlich viel zu ruhig ist. Tom Hanks als Auftragskiller und Ziehsohn des Paten sucht Vergeltung für den Tod seines eigenen Sohnes, da der echte Sohn des Paten diesen leichtfertig erschießt. Hanks‘ anderer Sohn muss dabei überhaupt erst die Desillusionierung eines mordenden Vaters durchmachen. Der Film erzeugt seine Energie durch den Fatalismus der Handlungsentfaltung, da keine*r der Agent*innen so handeln möchte, wie sie es tun, und sich dennoch dazu gezwungen sehen. Womit nur noch die Frage bleibt, ob wir als Söhne unserer Väter diesem existenziellen Determinismus jemals entkommen können. Und dann sorgt Cinematograph Conrad Hall auch noch dafür, dass der Bums solide sexy aussieht.

Uuund dann gibt es da noch A sun (2019), der in Taiwan spielt. Ein Land, das sowieso einen Platz in meinem Herzen hat. Und dann ist das auch noch ein super bewegender Film über kaputte Jugend, kaputte Familie und wie schwer Hoffung und Vertrauen ist, wenn Enttäuschung, Resignation und Akzeptanz bei all der kafkaesken Ohnmacht so viel verständlicher wären. Gibt’s bei Netflix, kennen nicht genug Leute.

Uuuuuund Super – Shut up, crime! (2010) ist auch mega! Für alle, die die Selbstjustiz von Superhelden fragwürdig finden, den Film Hancock aber ein bisschen zu gimmicky und Watchmen ein bisschen zu düster finden. Außerdem sollten mehr Leute Fans von Ellen Page werden. Just sayin‘. Uuuuuuuuuuuuuuuund Studio Ghibli macht nur schöne Filme, die gibt’s jetzt auch alle bei Netflix! My Neighbor Totoro ist ein einziges warmes Gefühl beim Schauen. UuuuuuUuuUuund alles von Wes Anderson! Moonrise Kingdom? *Chef’s kiss*! UUUUuuuuuund Mulan. MULAN! Wie konnte ich MULAN VERGESSEN?! UND HABT IHR BLADERUNNER 2049 GESEHEN?!

20.05.2020

Home-Alternativen - The Farewell

Am 18.03. hätten wir euch The Farewell von Regisseurin Lulu Wang gezeigt. In einem Anflug kosmischer Ironie oder gar kosmischen Zynismus‘ trägt gerade unser erster von der Pandemie betroffener Film den Titel The Farewell. Da soll das deutsche phrasemische Pandemie-Pendant „Auf Wiedersehen“ zum englischen „Farewell“ heute Mal zuversichtlicher sein. Doppelt ironisch und bitter ist der Ausfall, da chinesisches Kino seltenst Aufmerksamkeit in der westlichen Unterhaltungslandschaft bekommt. So haben wir meist ohne deutschen Filmstart gar nicht erst die Möglichkeit, fernasiatische Filme zu zeigen. Dreifach ironisch und bitter, da es besonders aktuell eine gute Übung in Sachen Besonnenheit und Überwindung von Vorurteilen gegenüber Chines*innen hätte sein können.

Der Film erzählt die wahre Begebenheit der chinesischen, unwissentlich schwer krebskranken Großmutter Nai Nai und wie ihre Familie trotz großer Zusammenkunft über die Fassade einer Hochzeit versucht, ihre Unwissenheit über die Krankheit aufrechtzuerhalten. Besonders für Protagonistin und sonst New-Yorkerin Billi (Awkwafina) ist die Reise vor allem ein kultureller Dialog mit ihrer eigenen Herkunft. Fun-Fact-Fenster: Nai Nai ist die wortwörtliche chinesische Bezeichnung für die Großmutter väterlicherseits; nicht der spannendste aller Spitznamen also.

Wahre Begebenheit, lebensbedrohliche Krankheit, familiäre Begegnung trifft kulturelle Überwindung, verpackt in viel Humor? Tief gebuddelt, aber all das findet man auch in der Amazon-Produktion The Big Sick, in der Ehepaar und Drehbuchautor*innen Emily V. Gordon und Kumail Nanjiani ihre eigene Kennenlernstory (Nanjiani spielt sich obendrein selbst) zeigen. Kumail sieht sich zwischen den traditionellen Familienerwartungen einer pakistanischen Hochzeit, den misstrauischen Eltern Emilys und einem Koma, in das Emily fällt, zerrissen, während er Emily nicht Mal unbedingt lange kennt. Zweifellos mehr RomCom als The Farewell, aber ebenso unterhaltsam und zugleich unkompliziert verfügbar über Amazon Prime.

Wer trotzdem Lust auf chinesisches bzw. taiwanisches Kino hat, kann sich über On-Demand-Plattformen The Sun (Netflix) oder Ash is purest white (Amazon Prime) angucken. Beide superaktuelle Dramen, die gerade mit viel Atmosphäre und negativem Raum Intensität aufbauen. Beide mit unverkennbarem Style, besonders im Kontext der Kultur, die sie umgibt. Ähnlich dem Film Parasite, der es schafft, sowohl koreanische Kultur als auch kontemporäre Kapitalismuskritik und Klassenkampf zu vereinen, ist The Sun ebenso kulturspezifisch für das Leben in Taiwan wie universell in dessen Handlung von innerfamiliärem Drama und einer persönlichen Vergangenheit, die ein Leben heimzusuchen vermag, so sehr man auch versucht, damit abzuschließen.

Wer das chinesische Kulturpaket noch etwas weiter schnüren möchte, aber nur einen kurzweiligen Kulturkick braucht, könnte sich mit einem Mahjong-Spiel vergnügen. Wem der Anblick des Windows 98-Kartenschauers beim Sieg in Solitaire einen nostalgischen Endorphinschauer den Rücken runterjagt, der kann dieses Gefühl mit dieser chinesischen Variante des Spiels vielleicht wiederbeleben. Alternativ kann man auch lokale asiatische Supermärkte oder Lieferdienste unterstützen. Deren Existenz ist aktuell genauso betroffen und vielleicht entdeckt ja jemand seinen oder ihren neuen Umami-Goldtopf am Ende des Aroma-Regenbogens jenseits des kulinarischen Kartoffel-Horizonts. Go (wasabi-) nuts!

Hauptdarstellerin in The Farewell Nora Lum mag der oder die eine oder andere vielleicht eher unter ihrem Künstlernamen Awkwafina kennen. Für ihre Rolle in The Farewell wurde sie jüngst mit einem Golden Globe ausgezeichnet, ist aber vor allem auch als Rapperin unterwegs. Ihre beiden Alben können beispielsweise auf Spotify angehört werden, darunter auch das feministische Pendant My Vag für alle Disstracks, die ihr Ego-Geodreieck an alles symbolisch- oder auch nicht-symbolisch-phallische anlegen. Persönlicher Favorit und zusätzlicher Anspieltipp ist ihr Feature im Song Your Dystopic Creation Doesn't Fear You.

Da es immer noch nicht alltäglich ist, Filme unter nicht-männlicher Leitung wie Regie, Cinematographie, Drehbuch etc. zu sehen, sei vor allem weiblicher Regie für den fliehenden Moment eines Absatzes das Bühnenlicht gegeben. Vor allem Greta Gerwig – länger schon als Schauspielerin – fällt jüngst besonders mit ihren selbst geschriebenen bzw. adaptierten und dirigierten Filmen Lady Bird und Little Woman auf. In Lady Bird geht es um Mutter-Tocher-Beziehung, in Little Woman weiterentwickelt zu einer Mutter-Töchter-Beziehung. Little Woman hoffen wir selbst später im Semester noch zu zeigen, falls nicht, gibt’s gerade zu Lady Bird mehr hier im Blog in ein paar Wochen. Nur so viel sei verraten: Film gut, Film auf Amazon Prime.

Mindestens ebenso nennenswert sind die Wachowski-Schwestern Lena & Lilly, die kleinere Filme wie Matrix (Sky Ticket/Go), V wie Vendetta (Netflix) und Cloud Atlas (leihbar) auf die größere Leinwand gebracht haben. Auch erwähnt sei ihre Netflixproduktion Sense8. Ähnlich etwa der Kleinstadtsuperheldenserie Heroes, nur dass diese gleichzeitig noch den Eindruck erweckt, sie versuche all die fehlende LGBTQIA-Repräsentation in aktuellem Entertainment im Alleingang mit ihren mageren zwei Staffeln auszugleichen. Allein für diesen frischen Wind empfohlen für alle neugierigen.

Falls ihr hingegen Regisseurin Lulu Wang selbst so toll findet, heiratet sie doch. Das hat zumindest Barry Jenkins getan, seines Zeichens auch erfolgreicher Regisseur. Der zeichnet sich verantwortlich für Filme wie If Beale Street could talk und Moonlight. Letzterer wurde von den Oscars zum besten Film 2017 gekürt und ist unkompliziert bei Netflix zu finden. Über drei Lebensphasen begleitet Moonlight Protagonist Little, dessen identitäre Entwicklung mit den Erwartungshaltungen seines Viertels und den Stereotypen seiner Klasse zunehmends kollidiert, während sich gesunde Leitfiguren und freie Persönlichkeitsentfaltung immer weiter weg von ihm bewegen.

Die ebenfalls ausgezeichnete Musik beider Filme ist übrigens Nicholas Britell zuzuschreiben. Wem dieser Aspekt besonders zusagt, der findet sie außerdem in den Filmen The King und The Big Short wieder. Ersterer ist eine Netflixproduktion, zweiteren kann man leihen oder kaufen. Alternativ kann man sich aber auch direkt die Soundtracks aller hier aufgeführten Filme auf Spotify zu Gemüte führen. Besonders Beale Streets Soundtrack löst gleichzeitig warme Melancholie, wundersame Sehnsucht und wohliges Heimweh aus, dass man die soziale Isolation komfortabel für einen Moment vergessen vermag.

29.04.2020

Home-Alternativen - Bad Boys for Life

Heute hätten wir euch gerne den Blockbuster Bad Boys for Life gezeigt.

Nach 17-jähriger Durststrecke kehren die Detektive aus Miami Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) zurück auf die Leinwand inklusive explosiver Action und gewohnt flotten Sprüchen, viele davon zu finden zum Beispiel auf myZitate. Lohnt sich mal reinzuschauen. Der jahrelang entwickelten Geschichte ist es zu verdanken, dass nicht nur unbekümmerter Spaß und fetzige Action vorkommen, sondern auch eine nachvollziehbare Geschichte, in der offene Fragen aus den ersten beiden Teilen beantwortet werden.

Aber auch Popcornkino-Eskapismus lässt sich von der Leinwand auf die Heimwand übertragen – oder wo auch immer ihr Fernseher, Tablet, Laptop, Handy und/oder Fitness-Smartwatch hinklemmt, um Unterhaltungsmedien zu konsumieren. So kommen wir vom Filmstamm direkt zu unseren ersten, nicht weit gefallenen Filmempfehlungs-Äpfeln: Die vorherigen Bad Boys Teile – Bad Boys, harte Jungs und Bad Boys II. Beide gibt’s auf Netflix, den zweiten zusätzlich noch in der Amazon Prime Mitgliedschaft. Bad Boys II ist dabei mit Vorsicht zu genießen, da es sich um die um 17 Schnitte gekürzte Version handelt. Im Zuge ausgleichender Gerechtigkeit enthält die FSK 16er Version jedoch wiederum Bildmaterial, das nicht in der ungekürzten Version vorkommt. So oder so wird man bei beiden Filmen fantastisch unterhalten und bekommt schon mal einen Vorgeschmack auf die Action- und Coolness-Geschmackspalette von Bad Boys for Life. Dabei brauch mal sich auch keine Sorgen machen, dass es irgendwann vorbei sein könnte mit der Action: Bad Boys 4 ist bereits angekündigt.

Wer auf Buddy-Movies steht und mehr Witz haben möchte anstelle von Action, sollte mal einen Blick auf die US-amerikanische Filmkomödie Ride Along riskieren. Dabei muss Ben Barber (Kevin Hart) als titelgebender Beifahrer in einer Polizeistreife, dass er abgekocht genug ist, um die Schwester von James Payton (Ice Cube) heiraten zu dürfen. Ein guter Einstieg, um mit dem Actionfilm-Genre langsam warm zu werden: Harmlose Verfolgungsjagden, ein cooler, eiskalter & wortkarger Cop und eine nervenaufreibende Quasselstrippe, die nicht nur den Gangstern auf den Leim geht.

Wem das zu wenig Will Smith ist, der oder die findet einen Berg an Alternativen jenseits von Bad Boys. Smiths Ursprung aus der Musik offenbart sich in vielen älteren Projekten, an denen er beteiligt war. Besonders hervorzuheben ist Will Smiths berühmt/berüchtigtes Intro zu Der Prinz von Bel-Air, das Horden von 90s-Kids nach wie vor in Karaokemaschinen verwandelt – solange man vor der zweiten Strophe wieder auf Stop drückt. Einen Binge-Berg an Staffeln der Serie gibt’s übrigens auf Netflix. Ebenso für Titeltracks bzw. Songs im Abspann der Men in Black-Filme hat Will Smith seinen Musikantenknochen auf die Tischkante gehauen. Alle Teile der originalen Trilogie gibt es auch entweder auf Netflix oder Amazon Prime zu finden und gleichen weniger harte Action mit mehr Sci-Fi-Klamauk, Humor und vielen versteckten Cameos wie denen von Michael Jackson und J.J. Abrams aus. Wer jedoch sowohl Cop-Action und Will Smith wie in Bad Boys will, aber gleichzeitig nicht auf den Sci-Fi/Fantasy-Aspekt aus Men in Black verzichten will, kann zum Netflix-eigenen Bright greifen. Die Elemente fassen den Prämissen-Spagat eigentlich schon in seiner Gesamtheit zusammen. Zwei Cops räumen auf, nur dass der eine Will Smith und der andere ein Ork ist.

Mehr Gesellschaftskritik als in Bright bei gleichzeitigem Bombast und das basierend auf einer Buchvorlage von US-Autorin Suzanne Collins findet man in Die Tribute von Panem, welcher von Peter Craig in ein Filmdrehbuch verwandelt wurde. Seit den Kinoverfilmungen von Harry Potter und der Twilight-Reihe gab es bei Jugendlichen keine größeren Erfolge als die Filme der Panem-Reihen. Aber erwähnt das nicht, wenn Percy Jackson mit im Raum ist. Loyalität, Liebe, Macht und Freundschaft werden in dieser dystopischen Welt auf die Probe gestellt; die ersten beiden Teile gibt’s auf Amazon Prime, alle vier in der Maxdome Flat. Das Wort „Panem“ kommt dabei von dem lateinischen Ausspruch „Panem et circenses“, was „Brot und Spiele“ bedeutet. Die Römer erkannten bereits, dass Arenakämpfe die Massen faszinieren und so von vielen Missständen ablenken können. Die Filme behandeln dabei sowohl die persönliche Story der Protagonistin – gespielt von Jennifer Lawrence – und psychologische Fragen nach dem Zwang zu töten sowie die Wirkweisen der die Charaktere umgebenden Welt mitsamt manipulativer Medien und tieferen Mechanismen, als das Flair römischer Gladiatorenkämpfe vermuten lässt.

Mit diesen Empfehlungen schließen wir diesen Blockbuster-Blogbuster-Ausflug in freudiger Erwartung auf all die anderen unterhaltsamen Streifen, die uns in ungewisser Zukunft, dennoch aber eben schon irgendwann noch erwarten werden.

15.04.2020

Home-Alternativen - Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Frohe Ostern allersamt! Passend zur Auferstehung Jesu hätten wir euch heute den Aufstieg Skywalkers in Star Wars IX zeigen wollen.

Der Franchise-Wiedergebärer Hollywoods aka J.J. Abrams vollzieht hiermit die Himmelfahrt – sozusagen den Skywalker – der Sequeltrilogie, die er – wie auch schon Star Trek (2009, Amazon Prime) – mit dem Erwachen der Macht 2015 hatte wiederauferstehen lassen.

Auslöser dafür ist wiederum Disney, welche seit dem Start besagter Sequeltrilogie in eine Content-Offensive und Breitband-Renaissance der Franchise umgestiegen sind. Da alles folgende bei der jüngst in Deutschland gestarteten Plattform Disney+ zu finden ist, hier nur im Schnelldurchlauf, was Star Wars seit 2015 alles an audiovisueller Unterhaltung hat dazugewinnen können: Die drei Hauptfilme Teil VII: Das Erwachen der Macht, Teil VIII: Die letzten Jedi und Teil IX: Der Aufstieg Skywalkers, die Zwischen-Spin-Off-„Star Wars Stories“ Rogue One und Solo, mehr Material für die Animationsserien Rebels und Clone Wars sowie die erste Staffel der Live-Action-Serie The Mandalorian. Wobei ich gar nicht erst wagen werde, vor dem höchsten Gericht gesammelter und brodelnder Internet-Communities bei dieser Liste auf Vollständigkeit zu plädieren.

The Mandalorian sei an dieser Stelle gesondert erwähnt, da die Serie sich genügsam ihren Fleck in der Chronologie zwischen alter und neuster Trilogie sucht und dort anstatt auf galaktischer vielmehr auf individueller Ebene persönlichere Stories erzählt, die mehr an alte Western in Charakteren, Settings und Thematik erinnern. Da Baby Yoda im Zuge der Viralität der Serie scheinbar die Aufmerksamkeit des Internets vollends absorbiert hatte, seien hier besonders zwei andere Gastauftritte erwähnt. Einerseits von Regielegende Werner Herzog als Space-Nazi respektive Echo eines gefallenen Imperiums und dann von Giancarlo Esposito, den manche womöglich als den imposanten Gus Fring aus Breaking Bad kennen.

Berüchtigterweise hat Star Wars aber auch gerade durch Merchandise, also die Lizensierung von Spielzeug o.Ä., Kult erlangt und in die Welt gestreut. Ein ganzer Dachboden voller fragwürdiger Kuriositäten im Haus des Star-Wars-Merchs findet sich zum Beispiel zusammengestellt auf dieser Seite.

Neben dem rechtlich lizensierten Kram gibt es allerdings auch mindestens genauso viel indirekten Krieg der Sterne in Form von Inspiration, Fan Fiction oder schlicht Plagiaten. Empfehlenswert der SNL-Sketch, der Kylo Ren – tatsächlich gespielt von Originaldarsteller Adam Driver – ins Zentrum einer Secret-Boss-Reality-TV-Show zieht.

Wer hingegen masochistische Freude an offensichtlichem und offensichtlich schlechtem Star-Wars-Abklatsch hat, wird bestimmt in Battle Star Wars (Amazon Prime) einen chaotischen Kurzweilkick finden. Der Trailer auf Amazon gibt guten Aufschluss darüber, auf welche Art von Qualitätsentertainment sich dabei eingelassen werden kann.

Der vielleicht unkonventionellste Einsatz der Vorlage ist in Ben Afflecks Argo zu finden, der auf diversen On-Demands geliehen werden kann. Diese Transformation einer wahren Begebenheit in einen oscarprämierten Thriller von 2012 zeigt, wie unter dem Vorwand eines Filmdrehs, die CIA unbemerkt in den Iran flog, um Diplomaten der 1979 besetzten US-Botschaft in Teheran zu evakuieren. Der zu drehende Film war dabei ein offensichtlicher Sci-Fi-Abklatsch von Star Wars namens „Argo – a cosmic war“.

Aber auch komplett abseits groß produzierter Machwerke gibt es Fans, die aus Liebe an der Vorlage, erstaunlich aufwendige Hommagen produzieren. Aachens eigener Shawn Bu zum Beispiel hat mit DARTH MAUL: Apprentice - A Star Wars Fan-Film und einem kleinen Team einen beeindruckenden Kurzfilm aufgestellt, den man komplett inklusive „Behind the scenes“ auf YouTube sehen kann.

Bei all der Diskussion um den Einfluss, den Star Wars hatte, ist zum eigentlichen Film noch gar nicht viel gesagt worden. Immerhin ist der Abschluss einer Trilogie – besonders dieser Trilogie – mit enormer Erwartungshaltung verbunden. Für die Diskussion, ob der Film den Erwartungen des Internets gerecht wird, sei auf ebendieses verwiesen, das volle Akel-Meinungsspektrum – von Spektakel bis Debakel – ist jedenfalls in nichtendenden Nuancen vertreten. Viel interessanter ist hier, dass Geld- & Saftpresse Steven Spielberg aus dem Gehirn von Star Wars-Papa George Lucas noch einen weiteren Trilogie-Smoothie namens Indiana Jones auspressen konnte. Dessen dritter Teil steht dem Rest der Trilogie in nichts nach und ist – wie die ganze Trilogie – über Amazon Prime unkompliziert verfügbar. Und zum
Glück gab es keinen katastrophalen vierten Teil, der das Vermächtnis der Trilogie hätte beflecken können *hustet, während irgendwo Shia LaBeouf einen gebutterten Kamm durch sein Haar fährt*.

Gibt es doch wiederum so einige dritte Ableger – so kreativ die Köpfe dahinter auch sein mögen – die nicht recht an ihre Vorgänger anknüpfen vermögen. Da gäbe es Matrix Revolutions (Sky Ticket, Sky Go) von den Wachowski-Schwestern oder Der Pate III (Amazon Prime) von Francis Ford Coppola. Beides Ableger, die für sich genommen gute Filme sein mögen, aber sich schlicht mit ihren ikonischen IP-Startern messen müssen. Es ist eben ein bisschen egal, wie nah oder weit der Apfel vom Stamm fällt, wenn der Stamm einen Ast namens Marlon Brando hat.

Auch J.J. Abrams hat mit Mission Impossible III einen dritten Ableger zugeschoben bekommen, was weiter seine Rolle in Hollywood als den Mann manifestiert, der es schon richten wird. Wem das selbsterklärende Spektakel mit Tom Cruise zusagt, findet die ersten drei Teile in der Amazon-Prime-Videothek. In Sachen Regie zeichnet sich J.J. Abrams neben all dem auch für Super 8 verantwortlich, den gleichzeitig Steven Spielberg produziert hat. Dieses 2011er Proto-Stranger-Things mit mehr Lens Flares gibt es zum Beispiel im STARZ-Channel-Probeabo bei Amazon.

Und um den Bogen abschließend über erstaunlich viele genannte Filme zu spannen, hier ein Mann, der so viel Musik berühmter Filme verantwortlich ist, dass er mit beinahe aleatorischer Sicherheit schon mindestens einmal ein Ohrwurmbiotop in jedermenschs Gehörkanal gezüchtet hat. Michael Giacchino heißt er und hat allein von den Pixar-Filmen Ratatouille, die Unglaublichen 1 & 2, Alles steht Kopf und Oben (offensichtlicher Anspieltipp: Married Life) mit Musik bestückt.

Der Soundtrack zur erwähnten Star-Wars-Story Rogue One kommt übrigens auch von ihm. Und als wäre das nicht genug, geht es weiter mit Projekten von J.J. Abrams, die Giacchino musikalisch versorgt hat, nämlich Cloverfield, Lost und Star Trek, um nur einige zu nennen. Entgegen dem ungeschriebenen Grundgesetz des Internets, dass man es niemals allen rechtmachen kann, wird man also, fast ohne sich aus dem Fenster zu lehnen oder gelehnt zu werden, behaupten können, da ist nun wirklich für jeden etwas dabei.

14.04.2020

Home-Alternativen - Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Heute hätten wir euch den deutschen Film Als Hitler das rosa Kaninchen stahl nach der Buchvorlage von Judith Kerr gezeigt. Es ist die autobiographische Geschichte, wie sie mit ihrer Familie im Zeitraum von 1933 bis 1935 über die Schweiz nach Frankreich und schließlich nach England geflohen ist. Jegliches familiäre Hab und Gut musste zurückgelassen werden, symbolisch dafür auch das titelgebende rosa Stoffkaninchen. Das Buch gehört zu einer Romantrilogie, welche das Leben von Judith Kerr bis ins Jahr 1956 begleitet.

Um das Rampenlicht in Anbetracht des ausgefallenen Films heute vornehmends auf deutsche Produktionen zu scheinen, schwenken wir den Scheinwerfer rüber zum deutschen Oscargewinner des Jahres 2007: Das Leben der Anderen. Es spielt in der DDR des Jahres 1984, in dem und als der Dramatiker Georg Dreyman (Sebastian Koch) und seine Lebensgefährtin Christina-Maria Sieland (Martina Gedeck) vom Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) in ihrer Wohnung abgehört werden. Wer bis jetzt noch nicht den Netflix-Account seiner oder seines signifikanten Anderen infiltriert hat, sollte dies bald tun, da der Film nicht nur gut, sondern dort durchaus auch gratis verfügbar ist.

Darauf folgt keine deutsche Produktion, sondern vielmehr eine amerikanische Reaktion auf die dunkelste Stunde deutscher Geschichte mit der wahrscheinlich mystifiziertesten Person der modernen Welt; und nicht nur irgendeine Reaktion, sondern die von Stummfilmikone Charlie Chaplin mit Der große Diktator – und das bereits 1940. Die BRD sollte dann noch 18 Jahre – weitere neun Jahre nach Staatsgründung und Abschluss der Nürnberger Prozesse – brauchen, um diesen Film zum ersten Mal zu zeigen. Während also noch fünf Jahre bis zum Beginn der Entnazifizierung vergehen müssen, entmystifiziert Chaplin bereits in Drehbuch, Regie, Musik und Schauspiel mit gleichermaßen Humor, Emotionalität und Nachdruck Hitler. Zeitlos nach wie vor seine legendäre Abschlussrede; so sehr, dass sie heute noch in Musik wie hier wirkungsvoll eingesetzt wird und so ein mehrschichtiges Gesamtkunstwerk und humanitäres Plädoyer zugleich erzeugt. Der Film ist ab heute (08.04.) noch sechs Tage für Studierende frei verfügbar auf der Plattform MUBI oder für alle im Probe-MUBI-Abo über Amazon Prime.

Wen es dann doch eher zu einer Serie verschlägt, könnte mal wieder einen Blick in die ARD-Mediathek werfen. Denn neben Tatort, Sturm der Liebe und dem Sonntagsmärchen gibt es auch noch die ersten zwei Staffeln von Babylon Berlin. Die deutsche Kriminal-Fernsehserie spielt in und zu Zeiten der Weimarer Republik und handelt vom Kölner Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch), der nach Berlin zieht und dort mit unter anderem Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ermittelt. Die Serie war auch Teil der Ausstellung „Kino der Moderne – Film der Weimarer Republik“ in der Bundeskunsthalle in Bonn. Falls ihr euch dafür interessiert, könnt ihr hier auch mal im Archiv stöbern. Nicht ganz

Wer mehr von Mutter Dorothea Darstellerin Carla Juri sehen möchte, dem/der kann ich den Film Paula – mein Leben soll ein Fest sein ans Herz legen. Ebenfalls biografisch beschäftigt sich dieser mit dem Leben der jung verstorbenen Künstlerin Paula Modersohn-Becker. Für kleine Leihgebühr gibt’s den zum Beispiel für 2,98€ bei Amazon. Wer die Künstlerin nicht kennt, aber neugierig ist, findet immer wieder auch in der Region Sonderausstellungen mit ihren frühen, expressionistischen Werken. Da wir aber alle zurzeit diese Angebote nicht nutzen können, schaut doch gerne mal bei dieser kleinen Online-Ausstellung von ihr vorbei.

Lief zwar bereits Ende 2018 bei uns, trotzdem unbedingt nennenswert ist und bleibt der Film Die Unsichtbaren. Hier wird die Geschichte von vier jungen Heranwachsenden erzählt, die es geschafft haben, sich im zweiten Weltkrieg – wie es der Titel schon andeutet – „unsichtbar“ zu machen. Der Film wird von Original-Interviews der vier untermalt, in denen sie ihr Leben von damals beschreiben. Wir zeigen ihn zwar in nächster Zeit nicht nochmal, aber dafür könnt ihr ihn auch für 2,99€ bei Amazon Prime ausleihen.

Weitere Filme, die ich erwähnen wollte, sind Pünktchen & Anton, ebenfalls mit Caroline Link in der Regie und in der Amazon Prime Mitgliedschaft enthalten sowie Roman Polanskis Der Pianist, welcher von der wahren Geschichte des polnischen Komponisten Wladyslaw Szpilman, Opfer der Ghettoisierung, erzählt und allein für seinen Appell an die Menschlichkeit eine unbedingte Empfehlung ist. Ihr könnt ihn euch ebenfalls für 2,99€ bei Amazon Prime anschauen, plant jedoch viel Zeit und vielleicht auch eins oder viele Taschentücher ein.

08.04.2020

Home-Alternativen - Joker

Heute Abend hätten wir euch gerne mit Todd Phillips’ Psycho-Thriller/Comicbuch-Verfilmungs-Chimäre Joker zum Start des Sommersemesters begrüßt. Einer dieser Filme, für den wir insgeheim schon einen Zweittermin geplant hatten, um mal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Aber tja, daraus wird wohl leider zumindest in unmittelbarer Zukunft nichts.

Auch die Bewohner*innen von Gotham City im Jahr 1981 haben allen Grund, das Ausgehen zu vermeiden, da der Vollzeit-Partyclown und Amateur-Stand-up-Comedian Arthur Fleck ganz unverhofft zu einem Symbol der finanziell gebeutelten Unterschicht wird, welche sich in dieser Origin-Story des ikonischen Batman-Antagonisten teils gewalttätig gegen Elitäre wie die Wayne-Familie auflehnt. Dennoch liegt der Fokus von Joker ganz klar auf dem tragischen Charakter von Fleck, welcher von Joaquin Phoenix derart authentisch, verletzlich, jedoch gleichzeitig mental instabil und bedrohlich inszeniert wird, dass er sich nun verdientermaßen neben Heath Ledger im Club der Oscar-gewinnenden Joker-Darsteller einreihen darf. Daher tauscht Joker die explosionsgefüllten Verfolgungsjagden, welche die schießwütigen Vorgänger aus dem Hause DC definieren, mit Szenen aus, in denen unser Protagonist seine betagte Mutter badet oder mit seiner Sozialhelferin Kürzungen finanzieller Unterstützung diskutiert, welche seine Psychopharmaka finanziert. Dennoch ist Joker absolut ein Film für die große Leinwand, der durch Lawrence Shers gespannte und absichtlich bedrückende Cinematographie sowie Hildur Guðnadóttirs Oscar-prämierten Soundtrack zu überzeugen vermag. Wer nicht über die nötige Geduld verfügt, auf unseren Nachholtermin von Joker zu warten, aber dafür bereit ist, mindestens zwei Euro mehr springen zu lassen, sei hiermit leichten Zähneknirschens auf etwaige Online-Streaming-Angebote verwiesen.

Die Rolle des Batman-Bösewichts mit Spielkartenbezug war schon immer ein Magnet für besonders exzentrische Vertreter der methodischen Schauspielschule. Von dem bereits erwähnten Heath Ledger in The Dark Knight, der seine Schauspielkarriere 1995 - beinahe deterministisch - schon als Clown in der australischen Kinderserie Der Traum vom Clown begonnen hat, über Thirty Seconds to Mars Frontmann und Bester-Nebendarsteller-Oscar-Preisträger Jared Leto in Suicide Squad, bis hin zum ebenfalls Oscar-prämierten Hollywood-Urgestein Jack Nicholson, der den Joker in Tim Burtons Verfilmung Batman gab. Wer lieber den Billionär-Playboy auf der rechtschaffenen Seite Halunken kaputtboxen sieht, sei darauf hingewiesen, dass sämtliche frischeren Filmauftritte vom flatternden Fledermaus-Fetisch-Philanthropen auf Netflix erhältlich sind. Insbesondere die zweifelsohne fantastische Trilogie von Christopher Nolan. Außerdem nutze ich die Gelegenheit, um alle, die wie ich das MTV-Programm der 2000er Jahre nie ganz überwunden haben, daran zu erinnern, sich das von Stanley Kubrick inspirierte Musikvideo zu The Kill anzusehen und Mal wieder Closer to the Edge zu hören!

Zu den weniger bekannten Interpretationen zählen wohl die des Luke Skywalker Darstellers Mark Hamill, welcher dem Joker-Charakter seine Stimme in den animierten Batman-Film- und Fernsehproduktionen, sowie Batman-Videospielen leiht, und Zach Galifianakis, welcher den Lego-Joker in dem 2017 erschienenen LEGO Batman-Film spricht und wiederum über die Hangover-Trilogie (Netflix) mit Joker-Regisseur Todd Phillips verwoben ist. Für alle, die sich vor dem verzögerten Semesterstart nochmal die Birne mit präpubertären Pimmelwitzen zuknallen wollen, mache ich zusätzlich auf Todd Phillips’ Meisterwerk Road Trip aus dem Jahr 2000 aufmerksam mit dem lange vergessenen Ekel-Komiker Tom Green.

Nun sind Comicbuch-Verfilmungen bekanntlich nicht Jedermanns und -fraus Sache. Wie zum Beispiel Martin Scorsese, der in der Popularität von Comicfilmen eine Gefahr für Filmverständnis der Jugend sieht. Ironischerweise waren gerade dessen Filme ein maßgeblicher Einfluss für Todd Phillips. Dementsprechend sind möglicherweise einige von euch für Martin Scorseses Film King of Comedy aus dem Jahr 1982 zu begeistern (kostenlos im Amazon Prime Abo), in welchem Robert De Niro die Rolle des fanatischen Fans übernimmt und Jerry Lewis die des Komikers / Talk-Show-Hosts (wie Robert De Niro in Joker, verwirrend ich weiß). Wem diese Rollenverschiebung zu krass den Kopf verdreht, könnte an Taxi Driver - ebenfalls von Martin Scorsese - eher gefallen finden, der mehr als nur stimmungsmäßig noch stärkere Parallelen zu Joker aufweist und wunderbar das heruntergekommene New York City vor den 90er Jahren in Szene setzt (erhältlich auf Sky). In dem Film von 1976 folgen wir einem jungen De Niro auf nächtlicher Taxifahrt durch den Big Apple, welcher von menschlichen Tragödien förmlich überquillt. Dazu zählt auch das Schicksal einer minderjährigen Prostituierten, gespielt von Jodie Foster. Travis Bickle (De Niro) gleitet mit jeder Konfrontation durch ein kaputten Systems weiter ab in eine psychische Instabilität, welche ihn in eine tickenden Zeitbombe für sich selbst und seine Mitmenschen verwandelt.

Für die musikaffinen unter euch lohnt es sich, in das atmosphärische Album Without Sinking (kostenlos auf YouTube) von der in Berlin ansässigen Komponistin von Joker Hildur Guðnadóttir reinzuhören. Diese war ebenfalls verantwortlich für den Soundtrack der ausgezeichneten HBO-Serie Chernobyl (erhältlich auf Sky). Oder wer es etwas brachialer und nihilistischer mag, teilt unter Umständen Todd Phillips’ Faszination mit Punk-Rock-Musiker, Misanthrop und selbsternannter Kriegerseele GG Allin. Dieser und dessen letztes Bandprojekt The Murder Junkies, vor Allins vorzeitigem, drogenbedingten Ableben waren das Thema von Todd Phillips’ erstem Film Hated: GG Allin and the Murder Junkies aus dem Jahr 1993. Ich meine mich zu erinnern, mal über diese extrem rohe, ungeschönte Dokumentation bei YouTube gestolpert zu sein, aber Vorsicht: nichts für Menschen mit schwachen Gemütern (oder Mägen). Neben Einblicken in eine größtenteils menschenverachtende Subkultur, welche sich gegen niemanden im speziellen, sondern gegen alle gleichermaßen richtet, könnt ihr euch auf Aufnahmen minderer Qualität von monotonen Hardcore-Punk-Songs und betrunkenen Kneipenschlägereien freuen. Es mag minimalistisch und deprimierend sein, gibt aber einen gleichermaßend faszinierenden Einblick.

Abschließend soll natürlich auch die inhaltliche Quelle dieses Films und der meisten und größten Summer-Blockbuster in den letzteren Jahren nicht unerwähnt bleiben: Comicbücher. Ob ihr nun jeden prä-quarantären Tag im Bäng Bäng verbracht habt oder euch das erste Mal durch Spiderman-Memes mit Comicbüchern konfrontiert saht, könnt ihr bei Interesse die Internetseite Comic Book Resources besuchen. Dort findet ihr neben unzähligen Artikeln, Best-of-Listen und natürlich Diskussionsforen auch Vorschauen von aktuellen Comics inklusive Suicide Squad, Wonder Woman und den divers präfixierten -mans. Auch zu finden ist Basketful of Heads, für welchen Joe Hill die Story verfasste, der unter anderem auch für Horns mit Daniel Radcliffe und den Netflix-Film Im Hohen Gras von 2019 die literarischen Grundlagen lieferte. Letztere verfasste er gemeinsam mit seinem Vater, einem gewissen Stephen King.

Ich denke Mal, damit seid ihr gut eingedeckt bis nächste Woche. In dem Sinne, Cheerio!

07.04.2020

Home-Alternativen - Knives Out

Heute Abend hätten wir euch den High-Society-Krimi Knives Out von Regisseur Rian Johnson gezeigt.
Eine teure Villa, ein erfolgreicher und zugleich frisch verstorbener Mystery-Autor, ein offensichtlich inszenierter Selbstmord, Söhne, Töchter und Stieftöchter mit allesamt guten Motiven für die Tat, eine besorgte Haushälterin gespielt von Ana de Armas, fehlt eigentlich nur noch ein berüchtigter, egozentrischer Detektiv. Halt! Den gibt’s mit Daniel Craig im Cast auch. Wirklich alles vorhanden für ein typisches Whodunit-Spektakel; auf der Suche nach dem Krimi-Ménage-à-trois – Mörder*in, Motiv & Mordwaffe. So viel Potenzial dafür, dass man beinahe schon entweder zu viele Genre-Klischees oder das Gegenteil – zu viel Subversion und Selbstironie – erwartet. Aber tatsächlich bewegt sich Rian Johnson in dieser Hommage an das Genre in einem Balanceakt zwischen diesen Extremen.

Wem diese Art von verwobenem Storygeflecht eines Krimis zusagt, der oder die findet womöglich auch Gefallen an Mord im Orient-Express; entweder die klassische Adaption von 1975 – frei verfügbar über Amazon Prime – oder eine modernere Adaption des Klassikers von Agatha Christie aus 2017. Nach wie vor brisant, spannend und mit vielen bekannten Gesichtern, wie etwa Daisy Ridley, die man sonst als Rey aus Star Wars kennt oder Ana de Armas, die zufälligerweise auch in Knives Out eine zentrale Rolle spielt.

Filmadaptionen der legendären Agatha Christie sind sowieso immer Garant für gute Unterhaltung. Die Vielzahl an Werken – der Leib Christie sozusagen – ist allerdings gut über das Internet und verschiedene Medienformen verteilt, aber die Suche lohnt sich. So sind diverse Hörspiele verfügbar auf etwa Spotify oder Audible. Verschlagen könnte es eine oder einen auch auf die ARD-Mediathek und zu Agatha Christies Poirot & Marple Serien. Und wer dann immer noch nicht den Krimidurst stillen konnte, kann eigentlich gleich für den Sonntagstatort dableiben. Der Senf, welcher der beste Tatort sei, kann dort auch direkt per Umfrage ins Internet geschmiert werden. Scharfer Meinungssenf zu minder relevanten Themen, Sonntagstatort und die ambivalente Hassliebe zu den öffentlich-rechtlichen, vielleicht gibt es sie nirgendwo sonst so konzentriert wie hier, die sagenumwobene deutsche Leitkultur.

Gegenkonzept zum humorvollen, poshen aber auch sehr etablierten Krimikonzept bietet Regisseur David Fincher mit seiner Bandbreite an intensiven und düsteren Thrillern; Gone Girl, The Social Network, Fight Club, Seven, die amerikanische Version von Girl with the Dragon Tattoo, allesamt sein Machwerk mit unverkennbarer Note. Wer Murder-Mystery nach diesem Rezept sucht, wird es aber mit Sicherheit in Zodiac – Die Spur des Killers von 2007 finden. Prominent besetzt, allesamt heute bekannter als 2007 noch, erstreckt sich die Suche nach dem Mörder hier über Jahrzehnte; versehen mit realistisch angehauchter Polizeiarbeit und einem perfiden David Fincher, der den Zuschauer*innen immer mehr als einen Schritt voraus ist.

Wer dann doch endlich genug von Whodunits und Krimiklamauk hat und zum Beispiel mehr von Schauspielerin Ana de Armas sehen möchte, könnte aber auch weit schlechtere Entscheidungen als mit Blade Runner 2049 treffen. In diesem beim Box Office leider gescheiterten Sequel zu Ridley Scotts Blade Runner von 1982 zeigt Regisseur Denis Villeneuve Ryan Gosling als Replikant auf der Suche nach dem Sinn synthetischen Lebens und Ana de Armas als künstlich intelligente Begleitung und Augmented Reality Love Interest. Mit beeindruckenden Bildern von Roger Deakins als Cinematographen behandelt der Film Fragen zu Humanität, Identität und der Bedeutung von Träumen und Erinnerungen in diesem Kontext.

Für Fans von Rian Johnson gibt es außerdem so einige versteckte Schätze, denen er seinen Regie-Stempel aufsetzen konnte. Neben dem offensichtlichen Feature- Film Looper (Netflix oder Maxdome) – mit der mindestens interessanten, eher brauenhebenden Entscheidung, Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt als dieselbe Person in verschiedenen Zeitreisephasen zu casten – zeichnet sich Johnson beispielsweise auch verantwortlich für die Regie dreier Folgen Breaking Bad (Netflix). Unter anderem die laut Internet sowohl schlechteste Folge der gesamten Serie S3 E10 Fly als auch die beste Folge einer Serie überhaupt S5B E6 Ozymandias.

Ein weiterer versteckter Johnson findet sich in dem Song oh baby von LCD Soundsystem. Die haben nämlich Rian Johnson für die Regie ihres Musikvideos engagiert. Ein faszinierendes Beispiel für kompaktes, wortloses Storytelling in ca. fünf Minuten.

Wer sich – in ganz anderer Sache – fundiert an der lebhaften Diskussion beteiligen möchte, welcher der Sequel-Trilogie-Filme der wievielte letzte Sargnagel für Star Wars war, der kann sich Johnsons Beitrag dazu mit Teil VIII bzw. The Last Jedi anschauen und selbst ein Bild machen. Leih- und erwerbbar auf allen einschlägigen Plattformen oder im Abo von Disney+.

Wer dann immer noch nicht genug von Star Wars hat, kann mit der Spin-Off-Serie The Mandalorian eine neue Hoffnung (*zwinkert in Kamera*) für das Franchise schöpfen. Eher im Stile klassischer Western folgt die Serie dem schweigsamen Kopfgeldjäger, der niemals seinen Helm abnimmt und nur Mando genannt wird, während er Internet-Meme Baby Yoda – gespielt von einer vollmechanisierten Puppe – durch die Galaxis bringt. Die erste Staffel der Serie ist das Aushängeschild und Alleinstellungsmerkmal der jüngst in Deutschland gestarteten On-Demand- Plattform Disney+.

Und wer hier bemerkt, dass die Musik in The Mandalorian erstaunlich anders als John Williams‘ ikonische Orchestrierung aber auch erstaunlich gut auf ihre Art ist, der wird mit Ludwig Göransson vielleicht einen neuen Komponisten und Produzenten für sich entdeckt haben. Der konnte mit dem Soundtrack zu Black Panther schon einen Oscar abräumen. Göransson steht aber auch bei Donald Glovers Musikprojekt Childish Gambino hinter den Kulissen und zeichnet sich beispielsweise für Songs wie Redbone – und in Erweiterung das ganze Album Awaken, my Love! – mitverantwortlich.

Und wer jetzt immer noch liest und auch schon nicht mehr weiß, mit welchem Film wir angefangen hatten, darf raten, welcher der im Text stehenden Links nicht zu Rick Astleys Never Gonna Give You Up führt. Frohen ersten April!

01.04.2020

Home-Alternativen - The Peanut Butter Falcon

Heute Abend hätten wir euch den Film The Peanut Butter Falcon gezeigt.
In dem Film geht es um den 22-jährigen Zac, der aufgrund seines Down-Syndroms von seiner Familie verstoßen und von den Behörden in die Obhut eines Altersheims gestellt wird. Er träumt davon, Profi-Wrestler zu werden. Da er sich Zacs tristes Leben nicht mehr mit ansehen kann, verhilft ihm sein alter Zimmergenosse eines Tages zur Flucht.

Wer von euch Filme schauen möchte, die Alltag und Umgang von Menschen mit Behinderung thematisieren, denjenigen können wir beiden Filme Crazy und What’s Eating Gilbert Grape empfehlen.
In dem eher unbekannten, deutschen Film Crazy wird man auf die Coming-of-Age-Reise des 16-jährigen, halbseitig gelähmten Benjamin mitgenommen, der nach der Trennung seiner Eltern auf ein Internat geschickt wird, wo er sich nur typischen Teenie-Herausforderungen stellen muss. Der Film basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman. Er kann kostenpflichtig über Amazon, iTunes oder bei Youtube ausleihen werden.
What’s Eating Gilbert Grape zeigt das Kleinstadtleben einer Familie dessen Vater sich das Leben genommen hat. Gilbert und seine Schwester Amy übernehmen nach dem Tod die Rolle der Ersatzeltern und kümmern sich um ihre labile Mutter, ihre pubertierende Schwester und den geistig behinderten Bruder Arnie - beeindruckend gespielt vom 18-jährigen Leonardo DiCaprio. Der Film ist über Amazon, iTunes und Google Play kostenpflichtig ausleihbar oder in der Sky Go Flatrate enthalten.

Wen das Thema Darstellung von Behinderung in den Medien interessiert, der kann sich Infos dazu auch zum jünst gewesenen World Down Syndrome Awareness Day (21. März) auf der UN-Homepage informieren.

Wenn euch hingegen mehr der Wrestling-Aspekt des Films neugierig macht, empfehlen wir euch The Wrestler und Foxcatcher.
Bei The Wrestler von Darren Aronofsky könnt ihr den früheren Wrestling Star Randy „The Ram“ verfolgen, dessen Leben ein einziges Wrack ist. Nach einem Herzanfall beschließt er jedoch sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Der Film kann über das Maxdome Abo geguckt werden oder alternativ über Amazon, iTunes oder Sky kostenpflichtig ausgeliehen werden.
Foxcatcher handelt von zwei erfolgreichen Ringer-Brüdern. Mark hat jedoch das Gefühl, im Schatten seines Bruders zu stehen. Als er von einem Millionär - überraschend dramatisch gespielt von Steve Carell - eingeladen wird, in dessen Trainingszentrum für Ringer zu kommen, nimmt er das Angebot an. Dies ist der Beginn für eine aus dem Ruder laufende Freundschaft. Der Film ist in folgenden Abos enthalten: Amazon Prime, Joyn+, Sky Ticket, Sky Go und Maxdome oder kann kostenpflichtig ausgeliehen werden.

Solltet ihr einfach ein Fan von Shia LaBeouf sein, empfehlen wir euch abseits der Transformers Reihe den Disney-Film Das Geheimnis von Green Lake (engl. Holes). Und wenn ihr ein weiteres Mal Dakota Johnson sehen möchtet, guckt euch doch mal den Amazon-Studios-Horrorfilm Suspiria an, geprägt vom unverkennbar atmosphärischen Klang, den Radiohead-Frontmann Thom Yorke im dazugehörigen Soundtrack beigesteuert hat.

25.03.2020